Vor über zwanzig Jahren begann das Fantasy Filmfest als Geheimtipp von Fans für Fans, damals noch als reines Horror- und Phantastikfestival. Mittlerweile hat sich das Filmfest zu einer der großen Attraktionen der deutschen Festivallandschaft gemausert.
Mittlerweile laufen neben Thriller, Grusel und Science Fiction auch Streifen aus Genres wie Anime, Martial Art und (schwarzer) Komödie. Am 31. August öffnet sich auch in in München der Kinovorhang.
Nicht nur unter Fans längst Kult
So unterschiedliche Kultfilme wie „Das Schweigen der Lämmer“, „Pulp Fiction“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Saw“ oder „Sin City“ feierten ihre Deutschlandpremieren auf dem Fantasy Filmfest. Auch in diesem Jahr dürfen sich Liebhaber und Genre-Neulinge sowohl auf hochkarätige Kinofilme wie auf obskure Produktionen freuen, die sich sonst nur in der hintersten Ecke der Videothek finden. Wenn überhaupt.
Splatter-, Slasher- und Schockerfilme stehen in allen Variationen auf dem Programm, darunter die Anatomiegroteske „The Human Centipede“, die schon im Vorfeld des Fantasy Filmfests wegen ihrer erfreulich geschmacklosen Grundidee für Aufmerksamkeit sorgte: Im Film versucht ein paranoider deutscher Arzt – der natürlich Dr. Heiter heißt –, eine menschliche Chimäre zu erschaffen, indem er drei seiner Opfer mit dem Mund an das Hinterteil ihres Vordermanns näht.
Neuheiten und Remakes
Aber auch sonst verspricht das Programm umfangreiche Abwechslung: Fast 70 Filme werden während des Festivals gezeigt. Als Eröffnungsfilm startet 2010 der französische Schocker „The Pack“, der mit einem fast klassischen Horror-Setup aufwartet: Ein toughes Outlaw-Chick und ein undurchsichtiger Anhalter finden sich plötzlich zwischen grimmen Hinterwäldlern, blutdurstigen Rockern und fleischfressenden Mutanten wieder. Da kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Beziehungsweise: alles.
Auch das Remake des deutschen Films „Das Experiment“ ist auf dem Festival zu sehen: In der US-Fassung wird Moritz Bleibtreus Rolle von Adrien Brody übernommen. Die Handlung dreht sich auch hier um das berühmt-berüchtigten Stanford-Prison-Experiment, bei dem in den siebziger Jahren zwei Dutzend Studenten in zwei Gruppen – Wärter und Gefängnisinsassen – eingeteilt und zusammen eingesperrt wurden. Keine gute Idee, wie sich schnell herausstellte.
Telekinetische Autoreifen
In „Chatroom“, einem britisch-japanischen Film, wird ein junger Mann in eine damönische Cyberwelt gezogen, während sich in „Centurion“ eine römische Legion durch britische Barbarenhorden kämpft. Der Geisterjäger „Solomon Kane“ tritt im 17. Jahrhundert gegen Luzifer höchstpersönlich an, während sich Sean Bean in „Black Death“ durch ein pestverseuchtes Mittelalter schlägt.
Wer mehr der Feder als dem Schwert zugeneigt ist, kann Oscar-Preisträger Michael Caine zusehen, wie er in „Harry Brown“ einen rachsüchtigen Armeeveteranen gibt, oder in „Frozen“ miterleben, wie drei junge Leute in einem Skilift steckenbleiben. Für eine ganze Woche.
Der Abschlussfilm des Festivals dürfte das wohl bizarrste Konzept aller Beiträge aufweisen: In „Rubber“ ist der Mörder niemand Geringeres als ein telekinetischer Autoreifen.
Damit Sie’s noch mal lesen: ein telekinetischer Autoreifen.
Neben dem Hauptprogramm des Fantasy Filmfests werden in der Reihe „Focus Asia“ Genre-Filme des asiatischen Kinos gezeigt, während „Midnight Madness“ dem schönstem Trash und Splatter vorbehalten ist. In der Reihe „Get Shorty“ laufen Kurzfilme, und auch der Publikumspreis „Fresh Blood“ für Debüt- oder Zweitfilme wird 2010 erneut vergeben.
Globe-M wünscht auf jeden Fall: blutiges Vergnügen.