Wer kennt nicht die berühmteste Warze des Rock? Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister ist eine wahre Ikone. Die ausführliche Dokumentation "Lemmy" zeichnet Leben und musikalische Karriere des britischen Bassisten nach.
Von Legenden und Idolen
In der Popkultur wird nicht gerade sparsam mit Superlativen umgegangen. Die Liste der als wichtig und einflussreich bezeichneten Musiker füllt Regalmeter, nicht eingerechnet all jene kurzlebigen Popstars, die oft genug über den grünen Klee gelobt werden. Dennoch, es gibt sie, die Legenden. Künstler, deren Ruf nicht an das Überleben des Menschen gebunden ist. Einzigartige Vertreter ihrer Art und Inspiration für Tausende, wenn nicht Millionen.
In dieser Dokumentation tauchen sie auf, die Idole. Es ist viel von Legenden und Koryphäen die Rede, doch wen mag das wundern, ist doch der Protagonist selbst ein Mitglied jenes erlauchten Kreises der unsterblichen Namen der Musikgeschichte. Ian Fraser, genannt "Lemmy" Kilmister hinterließ wie wenige andere in der Entwicklung des Rock seinen Stiefelabdruck.
Die Kamera folgt dem Musiker in Backstageräume, ins Aufnahmestudio oder in die Stammkneipe. In ausführlichen Interviews, erweitert um prominente Gäste wie Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters), kommt der knurrige Bassist und Sänger zu Wort und darf wenig affektiert und vergleichsweise bescheiden einige interessante Anekdoten aus seinem bewegten Leben erzählen.
Drogen, Exzess und der Rock'n'Roll-Lifestyle sind Dauerthemen, doch daneben ist es vor allem Lemmys herausragende Rolle bei der Entwicklung des Heavy Metal, die der Film gut nachvollziehbar herausarbeitet. Zahlreiche Zeitgenossen und Nachgeborene bekunden in Statements nicht nur ihre Anerkennung, sondern betonen den Ausnahmestatus des Phänomens Lemmy.
Umfangreiche Dokumentation
In gut 100 Minuten bleiben wenige Fragen offen. Von den Anfängen in der Beatband Rocking Vicars Mitte der 60er, über die Zeit bei der wegweisenden Psychedelic Rock-Formation Hawkwind bis zu Motörhead, der "lautesten Band der Welt", werden alle Stationen im musikalischen Leben des Briten behandelt. Es ist jedoch ein besonderer Verdienst der Dokumentation, dass sie ihre Hauptperson gemessen an den Maßstäben eines weltberühmten Rockstars wenig heroisiert, sondern den extrovertierten Wüterich, dessen Texte nicht selten mit purem Zorn gefüttert sind, als sympathischen, humorvollen Menschen portraitiert.
Während der Film in den USA dieser Tage in zahlreichen Kinos zu sehen ist, erscheint "Lemmy" in Deutschland zeitgleich auf DVD. Ohne Übertreibung darf man diesen Film in den Kanon der Popkulturdokumentationen aufnehmen. Sehr lesenswert ist ferner auch "White Line Fever", die Autobiographie von Kilmister.
Erhältlich auf DVD und Blu-Ray ab 21.1.
weiterführende Informationen: Offizielle Homepage des Films