Mit einer Doppelvorstellung hinterfragt das Schauspiel Köln derzeit lautstark die Rolle des Menschen in der Demokratie. Das ist nichts für schwache Nerven.
Demokratie in Abendstunden
Das erste Stück trägt den Untertitel Eine Kakophonie und lässt Schlimmes erahnen. Dabei beginnt alles eigentlich ganz geordnet. Nach und nach finden sich auf der Bühne die Musiker eines Orchesters zur Probe ein. Dabei kann man schon gut die Konkurrenz zwischen den einzelnen Instrumentengruppen beobachten, wie die Revierkämpfe zwischen Bläsern und Streichern. Schließlich betritt auch der Dirigent den Raum und macht seinen Führungsanspruch gelten. Doch mehr und mehr begehren die Musiker gegen den diktatorischen Stil des Impresarios auf. Sie fordern mehr Mitspracherecht, verehren den Dirigenten aber insgeheim doch für sein musikalisches Genie. Das Orchester steht als Sinnbild für die Gesellschaft. Es bildet sie im Kleinen ab. Immer hitziger werden die Diskussionen, immer wilder die Rebellion. Schließlich endet alles in einem großen Durcheinander der Töne und Parolen. Lauthals wird der Hass auf die ermüdete westliche Demokratie heraus gebrüllt.
Mit Versatzstücken von Joseph Beuys, John Cage und anderen deckt das Stück erfolgreich die Dilemmata der demokratischen Gesellschaft auf.
Kein Licht
Den zweiten Teil des Abends bildet ein aktuelles Stück von Elfriede Jelinek. Inspiriert wurde es von der Atomkatastrophe in Fukushima. In apokalyptischer Kulisse finden sich Musiker, deren Instrumente keine Töne mehr produzieren. Zwischen ihnen sucht ein verzweifeltes japanisches Mädchen offenbar nach seinen Angehörigen. In abstrakten Monologen wird der Umgang der Öffentlichkeit mit solchen Katastrophen thematisiert: die Sensationssucht der Medien und die Verschleierungstaktiken der Unternehmen. Die eigentlichen Opfer bleiben allerdings auf sich gestellt.
Nach dem fesselnden ersten Teil der Doppelaufführung flacht das zweite Stück leider ab. Die Kakophonie hat dem Zuschauer bereits viel abverlangt. Die Konzentration für das zweite Stück mit seinen mehrdeutigen Elementen bleibt daher auf der Strecke. Vielleicht wäre es empfehlenswert gewesen, es bei dem ersten Stück zu belassen. Dann hätte der Zuschauer auch die Möglichkeit gehabt, das Gesehene und Gehörte adäquat zu verdauen.
Weitere Informationen
Demokratie in Abendstunden & Kein Licht
Nächste Vorstellung: 24. März 2012
Schauspiel Köln
Offenbachplatz, 50677 Köln
Programmvermerk des Schauspiels Köln