Als „der miese peter“ präsentiert Markus Berger seit 2005 sein ständig aktualisiertes Musik-Kabarett-Programm: „liederliches, lästerhaftes“ in ganz Deutschland und Österreich. „der miese peter kritisiert wortgewandt das Zeitgeschehen,
unterhält mit doppelbödigen Liedern und spielt respektlos mit allem, was ihm zwischen die schlimmen Finger kommt“, so Berger.
Wir freuen uns, dass wir diesen „Hofnarren der heutigen Zeit“ für eine monatliche Kolumne gewinnen konnten. globe-M wünscht viel Vergnügen!
Frohes Stressfest!
Was für Atomkraftwerke, Banken und Bahnhöfe gut ist, kann für uns doch nicht schädlich sein. Nein, die Rede ist nicht vom burn-out, sondern von dessen kleiner Schwester, dem Stresstest. Und wenn man sich’s genau überlegt, dann ist das Leben selbst ein einziger Stresstest. Es geht schon früh morgens los: Wie viel Aufstehen kann man verkraften, ohne das Weiterschlafen zu beeinträchtigen? Und wie viel gute Laune vom Lebenspartner, ohne die nächsten dreißig Jahre als Verschlusssache mit anschließender Sicherheitsverwahrung überbrücken zu müssen?
Der berühmteste Stresstest fand übrigens vor rund 2000 Jahren statt und widmete sich der Belastbarkeit von Vater-Sohn-Beziehungen (Stichwort: Kreuzschmerzen). Seit Kurzem testet Kim Jong Il, ob der Nordhimmel unter seiner Führung nicht nur Hitzköpfe, sondern auch Sprengköpfe beherbergen kann.
Während der Winter die Lächerlichkeit von Ausreden der Deutschen Bahn testet, testen Audi-Fahrer neuerdings, wie dicht sie bei regennasser Autobahn auf den Vordermann auffahren können, ohne ihn mittels der Leitplanke zu kastrieren.
Das ist Münchener Lokführern vollkommen schnuppe, da sie jetzt nach Möglichkeiten suchen müssen, trotz Alkoholverbots in der S-Bahn den Arbeitstag unbeschadet zu überstehen. Auch Christian Wulff testet, ab wie viel hochprozentiger Zuwendung von außen man seinen Job verliert, und ob man einem geschenkten Urlaubs- Kredit- und Werbe-Gaul nicht doch ins große Maul schauen sollte.
Russland testet Demokratie ohne Wähler, die FDP auch. Und die Weltklimakonferenz testet, ob es im Jahr 2020 wirklich Sinn macht, in Sachen Klimaschutz über erste Handlungsschritte überhaupt noch nachzudenken.
Da will ich natürlich nicht abseits stehen und teste die Toleranz meiner Frau mit verschiedenen weiblichen Beruhigungsmitteln (Blumen für sie, Blondinen für mich), damit wir künftige Belastungsproben auch mit handfesten Lebenskrisen relativieren können. Denn nichts ist so stressig, dass es nicht auch für irgendetwas gut wäre. Muss ja nicht mehr in diesem Leben sein…
Foto: Markus Berger