Der Wilde Westen verdankt seine Popularität dem Kino. Weites Land und harte Kerle bevölkern Filme, die von den 50er bis 70er Jahren eine Hochzeit erlebten. Mit "Go West, Young Man!" nähern sich zwei Filmemacher dem Genre.
Ein Genre der Vergangenheit?
Im Frühjahr 2011 brachten die Cohen-Brüder "True Grit" in die Lichtspielhäuser und besetzten Jeff Bridges als bärbeißigen Revolverhelden. Doch deshalb direkt von einem Comeback des Western zu sprechen, wäre verfrüht und die Situation des Genres scheint vielmehr noch immer so, wie sie Peter Delpeut und Mart Dominicus 2003 in "Go West, Young Man!" analysierten. "Der Western ist tot. Science Fiction hat ihn bereits in den 80er Jahren abgelöst", hört man da in Interviews.
Für die beiden niederländischen Filmemacher bestand der Antrieb zu ihrer Dokumentation darin, eine Gattung zu bewahren, die in Vergessenheit zu geraten droht. Nun erscheint ihr Film in Deutschland auf DVD. Auch acht Jahre nach der Produktion hat er nichts von seiner Faszination verloren. Als leidenschaftliche Fans haben Delpeut und Dominicus ein Werk geschaffen, das sich humorvoll und detaillverliebt auf die Fährte des Wilden Westen in Hollywood begibt.
Dafür besuchten die Regisseure Originalschauplätze von Filmklassikern, trafen Stuntmen und ehemalige Westerndarsteller, die von den Kniffen des Berufs erzählen und die unterschiedlichsten Arten, von einer Pistolenkugel getroffen zu werden gekonnt vorführen. Es sind Drehorte, die vor dem geistigen Auge unmittelbar die Beobachtung schier endloser Weite mit Eindrücken von Hufgetrampel, Pulverdampf und staubigen Cowboys verknüpfen. John Ford und anderen Protagonisten des Western-Kinos der 60er und 70er Jahre ist es zu verdanken, dass die vor Ort befragten Touristen schnell ins Schwärmen geraten.
Kernige Identifikationsfiguren
Der Film schlägt eine Brücke zwischen der Landschaft und ihrer nahezu ikonischen Darstellung auf der Leinwand. Außerdem widmet er sich jenen, nicht minder legendären Charakteren, die sie bevölkerten. Mithilfe von Hobbyhistorikern werden in Wyoming und New Mexico Film und Realität gegenübergestellt und am Beispiel von Billy The Kid die historische Figur mit der Rolle in Sam Peckinpahs meisterhaftem "Pat Garret jagt Billy The Kid" verglichen. Was beide Darstellungen eint, ist die Kraft zur Identifikation.
Schnell merkt man, der Wilde Westen eignete sich in den ausgehenen 60er Jahren wie kaum eine andere Episode in der nordamerikanischen Geschichte als Projektionsfläche für eine Gegenwart, in der so manchem Zeitgenossen Moral und Recht einem ebensolchen Wandel unterworfen, die körperliche Unversehrtheit in steigendem Maße von täglicher Willkür bedroht schien, wie im ausgehenden 19. Jahrhundert. Doch auch in unserem Jahrtausend wächst der Wunsch nach echten Kerlen mit klaren Prinzipien, nach Helden, die notfalls auch außerhalb des Gesetzes ihren Weg gehen.
Statt Fakten herunterzubeten, schwingen sich die beiden Regisseure auf ihre Pferde und reiten auf der Suche nach dem Kern des Westerns direkt in Richtung Sonnenuntergang. Mit "Go West, Young Man!" schaffen es Peter Delpeut und Martin Dominicus in 80 sehr unterhaltsamen Minuten ihre eigene Begeisterung für den Western auch auf die Zuschauer zu übertragen.
Erschienen auf DVD bei Flaxfilm / Al!ve
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