Über 50 Jahre stand er auf der Bühne und gab den „philosophischen Clown". Hanns Dieter Hüsch zählt zu den wichtigsten Akteuren der deutschen Kabarett-Geschichte. Sein Werk wird nun mit einer ausführlichen DVD-Kollektion gewürdigt.
1925 in Moers geboren, setzte Hüsch sehr früh alles daran, sich kulturschaffend zu betätigen, ins Theater oder auf die Bühne zu kommen. Mit einem Studium der Theaterwissenschaft und Literaturgeschichte gingen bereits im Nachkriegsdeutschland erste Auftritte einher. Nach einigen Jahren als Rundfunkmoderator und in verschiedenen Ensembles, erarbeitete der Kabarettist schließlich Ende der Sechziger ein Soloprorgamm, das ihn in den Folgejahren zu einer anerkannten Größe machen sollte.
Grinsen statt lauthals Lachen
Die lauten Töne waren seine Welt nie, brüllen oder meckern lag ihm stets fern. Dennoch, einen Leisetreter oder gar Duckmäuser darf man Hanns Dieter Hüsch unter keinen Umständen nennen. Sein Humor pirscht sich auf leisen Sohlen an, ist leichtfüßig und doch zielsicher. Grinsen statt lauthals Lachen und vor allem Mitdenken.
Politisch zu sein und dabei auf Klischees oder plakative Anschuldigungen zu verzichten, ist eine von vielen Qualitäten des Kabarettisten. Beobachtungen von gesellschaftlichen Zusammenhängen und dem kleinen, alltäglichen Irrsinn sind zentral in seinem Schaffen. Ein Blick für das Würdevolle in Kleinigkeiten und die Entblößung vermeintlicher Eliten, neben der Kunstfertigkeit im Formulieren, sein großes Talent.
Umfangreiche Werkschau
Die schlicht „Hüsch" betitelte DVD-Box bietet eine großartige Gelegenheit, sich ein umfangreiches Bild vom Können des Künstlers zu machen. Insgesamt sieben Programme aus drei Jahrzehnten sind enthalten und schlagen einen Bogen von den Siebzigern, als die Haare noch lang und das Brillengestell zeitgemäß klobig war, über die Achtziger, die schwindendes Haupthaar und einen ergrauten Bart brachten bis 1999, sechs Jahre vor seinem Tod.
Die Themen ändern sich unter dem Eindruck des Weltgeschehens im Verlauf der Zeit und doch bleiben manche Dinge beständig, tauchen in modifizierter Gestalt auf und kommentieren somit zeitlose Phänomene. Einige Texte mögen heute hauptsächlich historisch wirken, wer die Zusammenhänge kennt, wird trotzdem nicht umhin kommen, zu schmunzeln. Hanns Dieter Hüsch schaut den Menschen auf den Mund und vermag es sehr charmant, dies erweitert um seine clever-humorvollen Anmerkungen widerzugeben.
Ergänzt wird das ausführliche Bühnenprogramm durch ein langes Interview und die Dokumentation „Die Akte Hüsch". Es bleiben daher in Sachen Ausstatung keine Wünsche offen. Diese 560 Minuten Charakterkopf gehören in jede gutsortierte private Medienbibliothek.
Erschienen bei Tacker Film / AL!VE
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