Eindringlichkeit eines Virtuosen

Victoria Belikova am 14.12.2011
Denis Matsuev beim Tschaikowski-Wettbewerb, 1998
Denis Matsuev beim Tschaikowski-Wettbewerb, 1998

Kaum jemand verdient die Bezeichnung „Starpianist“ mehr als Denis Matsuev. Der berühmteste russische Musiker der jüngeren Generation verdankt den Weltruhm seiner hingebungsvollen Arbeit und grenzenlosen künstlerischen Energie.

Manchmal kann der Eindruck entstehen, dass Denis Matsuev seinen triumphalen Sieg beim elften Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb 1998 immer neu zu bestätigen sucht: Obwohl er inzwischen zahlreiche Auszeichnungen, darunter den renommierten Schostakowitsch-Preis und den Nationalpreis der Russischen Föderation, erhalten hat, wird er von unglaublicher Energie unentwegt weiter getrieben: mehr als 160 Konzerte auf allen Kontinenten pro Jahr.

Der 36-jährige Musiker aus dem sibirischen Irkutsk hat etwas Heroisches an sich. Denis Matsuev ist ein kraftvoller, energischer Pianist. Kein Wunder, dass er von den berühmtesten Orchestern der Welt engagiert wird: Sein mächtiger Klang hält jeder Besetzung stand. Diese Kraft ist einem Feuer ähnlich, das alles zu bezwingen vermag. Doch sein intensives, poetisches und in seiner Virtuosität unübertroffenes Klavierspiel brennt nicht alles nieder, sondern leuchtet auch die dunkelsten und schwierigsten Stellen der Klavierliteratur aus.

Meilensteine der pianistischen Literatur

Zu den anspruchsvollsten Werken der gesamten Klavierliteratur zählen zweifelsohne Kompositionen von Franz Liszt. Man muss ihnen gewachsen sein – nicht nur technisch, sondern auch innerlich, und wie es scheint, hat sich Matsuev dem großen Romantiker bis auf Armlänge genähert. Zum 200. Geburtstag des Komponisten nahm er zusammen mit dem Russischen Nationalorchester unter der Leitung von Mikhail Pletnev die beiden Klavierkonzerte von Liszt sowie den „Totentanz“ auf. Beim Anhören des Albums, das zum Abschluss des Liszt-Jahres vor wenigen Tagen erschienen ist, entsteht ein Gefühl von stilistischer Nähe zwischen dem Komponisten und dem Interpreten.

Die Zusammenarbeit mit dem Russischen Nationalorchester unterstreicht die Bedeutung Matsuevs für die Musikszene Russlands. Seine hohen Auszeichnungen, die Teilnahme an Regierungskonzerten und die Nähe zu den Machthabern werden ihm gelegentlich sogar vorgeworfen. Ohne Zweifel hat er in Russland einen gewissen offiziellen Status. Aber im Gegenteil zu allerlei geförderten „Hofkünstlern“ hat dieser empfindliche und nachdenkliche Mensch seinen Ruhm mit zahllosen Konzerten, dem höchst anspruchsvollen Repertoire und der geschliffenen Technik ehrlich verdient.

Gefeierter Star auf der internationalen Konzertbühne

Im Dezember tritt der Pianist mit einem Solokonzert im Herkulessaal der Münchener Residenz auf, im Januar in der Carnegie Hall in New York, im Februar im Amsterdamer Concertgebouw. Die titanenhafte Kraft des Sibiriers Matsuev, seine Energie, die einmal mit einem Elektrokraftwerk verglichen wurde, erobert die besten Auditorien der Welt. Es liegt aber nicht allein an der Kraft, sondern an seiner eindringlichen Präzision und der Fähigkeit, das Wesentliche eines Stückes zu erfassen und auszudrücken. Deswegen sollten Zuhörer nicht erschrecken, falls sie – sollten sie am 19. Dezember dem Konzert von Denis Matsuev in München beiwohnen – nach seiner Interpretation des fulminanten „Mephisto-Walzers“ von Liszt für einen kurzen Augenblick leicht schwindelig werden.

 

Weitere Informationen:
Solokonzert von Denis Matsuev
am Montag, 19.12.2011 um 20:00 Uhr,
im Herkulessaal, Residenzstraße 1, 80333 München.
Auf dem Programm stehen Werke von Peter Tschaikowsky (Die Jahreszeiten, op.37), Franz Liszt (Mephisto-Walzer, S. 514) und Igor Strawinsky (Drei Sätze aus Petrouschka).

Aktuelles Album: Matsuev – Liszt. With M. Pletnev and the Russian National Orchestra. 2 CD
Erschienen bei  RCA/Sony Classical
 

 
 

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