Emanzipation im Weltkrieg

Bastian Küllenberg am 21.02.2011

An so genannten Anti-Kriegsfilmen herrscht in der Kinogeschichte wahrlich kein Mangel. Regiesseur Spike Lee wählt mit Buffalo Soldiers 44 - Das Wunder von St. Anna einen ungewöhnlichen Ansatz und ringt dem Genre damit eine interessante neue Facette ab.

Stimme der afroamerikanischen USA

Spike Lee hat sich in seiner Karriere schon oft als Anwalt der afroamerikanischen Kultur seines Heimatlandes engagiert. Mit Filmen wie Malcolm X oder He Got Game lenkte er den Hollywoodscheinwerfer auf Mißstände und Konflikte der mulitkulturellen Gesellschaft der USA. Auch Buffalo Soldiers 44 lässt sich schlüssig in diese Traditionslinie des Lee'schen Schaffens einreihen.

Der Regiesseur widmet sich einem im Kino lange vernachlässigten Aspekt des mehr als häufig benutzten Stoffs des Zweiten Weltkriegs. Als "Buffalo Soldiers" bezeichnete man im Amerika der Kriegsjahre jene Einheiten aus afroamerikanischen Soldaten, die oft genug unter höchsten Risiken in vorderster Front kämpfen mussten, ohne dass ihr Einsatz in der Heimat gewürdigt wurde. Im Film rückt eine Gruppe dieser Soldaten in den Mittelpunkt, man erfährt biographisches und beobachtet, wie die Protagonisten mit ihrer persönlichen Situation umgehen.

Kinohandwerk und Aussage

Am Beispiel einer überschaubaren Gruppe illustriert Spike Lee allgemeine Konflikte und macht ein kleines italienisches Dorf zum Schauplatz emazipatierend wirkender Erlebnisse. Nachdem die Soldaten einen kleinen Jungen gerettet haben, werden sie von dessen Angehörigen und der ganzen Dorfgemeinschaft als Retter und Hilfe gefeiert. Gleichberechtigung und Aktzeptanz sind Gefühle, die den Afroamerikanern zu jener Zeit in der Heimat oft genug versagt blieben, im kriegsgebeutelten Italien erleben sie diese hautnah und es entwickelt sich eine interessante Zusammenarbeit zwischen Partisanen, Dörflern und Soldaten.

Natürlich beachtet Spike Lee in Buffalo Soldiers 44 bei aller Ungewöhnlichkeit des Themas die traditionellen Regeln des Anti-Kriegsfilms und so mangelt es nicht an atmosphärischen Kampfszenen und der Auseinandersetzung mit der schier unglaublichen Gewalt, die der Zweite Weltkrieg entfesselte. Somit gelingt Lee mit seinem eindringlichen Werk der Spagat zwischen Aussage und Kinohandwerk. 

weitere Informationen:
Erschienen auf DVD und Blu-Ray bei Pandastorm Pictures / Kinowelt
Spielzeit: 154 Minuten

Offizielle Homepage des Films