Eine Tragödie aus Schuld, Schweigen und Tod: „Das Ende des Regens“. Andrew Bovells Theaterstück spannt sich vom London der 60er Jahre bis hin zur australischen Wüste der Zukunft und wird vom rumänischen Regisseur Radu Afrim im Residenztheater aufgeführt.
Das Ende des Regens
Das 2008 in Adelaide uraufgeführte Theaterstück erzählt Geschichten von Liebe, Beziehung und Einsamkeit, von Krankheiten, Unfall und Tod, von Vätern, Müttern und Söhnen, von Verlust und Wiederfinden. Es verfolgt die Spuren von Elisabeth und Henry Law vom London der späten 50er Jahre bis hin zu Henrys Urenkel, der 2039 in Australien seinem lange verschwundenen Vater begegnet. Sensibel und grausam wie die Menschen - unvorhersehbar und rätselhaft wie das Leben. Während es unablässig regnet, entspinnt sich die Geschichte über Generationen und Kontinente hinweg. Wiederholt sich die Geschichte ständig oder könnte das Rad angehalten werden, wie am Ende des Stückes, wenn es aufgehört hat zu regnen?
Surreales Setting
Am Anfang streichen die Figuren die Wände des kahlen Bühnenraums. Elizabeth und Henry Law haben einen Sohn, der auf der Suche nach seinem Vater in Australien Gabrielle York findet und mit ihr Gabriel zeugt. Die Familien Law und York verbindet eine düstere Geschichte und Bovells Stück springt in Rückblenden zwischen den Schauplätzen und den Jahren 1959 bis 2013. Durchdacht setzte Afrim aufwendigen Choreografien und surreale Einfälle von Fischkopf-Halma bis zum Kühlschrank-Schlittschuhlauf in den ansonsten ruhigen Erzählfluss ein.
Very british
Hervorzuheben ist die einfache und schlüssige Herangehensweise an das Stück. Hier wird eine spannende Geschichte erzählt, ohne die üblichen ironischen Zwischentöne oder den integrierten Kommentar des Regisseurs. Die Schauspieler spielen die Geschichte sehr ernsthaft. Durch die groß projizierten Orts- und Zeitangaben, kennzeichnenden Kostüme und einen einführenden Prolog wurde die Verständlichkeit der Inszenierung erleichtert. Der kahle Raum wird zudem mit wenigen rollbaren Möbeln und zwei schwenkbaren Toren von Szene zu Szene umgestaltet. Dank Videounterstützung gelingen bewegende Bilder – etwa von Mutter und Sohn Law, wie sie über die Kontinente hinweg einen Schriftzug auf die Rückwand malen.
Autor und Regie
Das Ende des Regens ist das jüngste Werk des 1962 geborenen australischen Autors Andrew Bovell, der in Deutschland vor allem mit seinem Stück LANTANA sowie als Drehbuchautor des gleichnamigen Kinofilms bekannt geworden ist. Der rumänische Regisseur Radu Afrim wurde 2009 für seine leuchtend-surrealen Inszenierungen moderner Großstadtgeschichten mit dem KulturPreis Europa ausgezeichnet. Mit dem Bovell-Stück arbeitete er zum ersten Mal an einem deutschsprachigen Theater.
Weitere Informationen
Das Ende des Regens
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
80539 München
Tel 089 2185 1940
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