
Katrin Heister ist eine Künstlerin ohne Atelier. Sie arbeitet da, wo sie einen Platz findet für ihre Arbeiten. Viel muss das nicht sein. Sie malt keine quadratmetergroßen Gemälde, baut auch keine schweren Skulpturen. Sie zeichnet mit feinen Strichen einen Zweig, der ihr eines Morgens vor die Füße gefallen ist.
Wieder und wieder zeichnet sie ihn, bis schließlich eine Serie von Zeichnungen entstanden ist, die sich in subtilen Nuancen unterscheiden.
globe-M: Warum zeichnen Sie immer denselben Zweig, Frau Heister?
K. Heister: Ich wiederhole eine Zeichnung wieder und wieder, zeichne immer wieder dasselbe Ding. Von Zeichnung zu Zeichnung nähere ich mich dem Gegenstand immer mehr.
globe-M: Ist das dann realistisch?
K. Heister: Es ist immer realistisch, aber ich entscheide beim Zeichnen, was wirklich ist. Diese Serien sind Formstudien, in denen sich die Wirklichkeit für mich herausschält.
globe-M: Sie subjektivieren?
K. Heister: Nein. Ich reduziere. Ich stelle meine Wahrnehmung dar. Ich will die Dinge nicht anzweifeln. Während des Zeichnens prüfe ich meine Wahrnehmung. Darin liegt keine Botschaft. Wenn ich zeichne, geht es mir um Gegenstände und Wahrnehmung, darum, auf eine Weise Kontakt zur Wirklichkeit herzustellen.
globe-M: Was haben Sie mit Ihren Rauminstallationen im Sinn?
K. Heister: Damit manipuliere ich Räume. Einerseits lasse ich sie, wie sie sind und arrangiere neu, was vorhanden ist. Manchmal füge ich noch etwas hinzu, was den Räumen neue Bedeutungsebenen gibt.
globe-M: Wenn Sie Puderzucker über Sitzmöbel streuen.
K. Heister: Ja. Dann sind es noch Stühle, und sie sind auch benutzbar. Sie sind ja nicht zerstört. Aber man wird sich nicht draufsetzen. Ein Haufen Asche auf dem Esstisch lässt den Tisch auch unverändert. Aber der Raum, seine inneren Zusammenhänge, ändert sich.
globe-M: Verwandeln Sie Gegenstände - und ganze Räume - in Symbole?
K. Heister: Vielleicht. Die Räume verändern ihre Atmosphäre. Wir sind darin anders. Man muss sich darin aufhalten.
globe-M: Aber stellen Sie dann nicht eine subjektive Perspektive dar? Zeigen Sie uns nicht Ihre Sicht der Dinge?
K. Heister: Darum geht es mir nicht. Wahrnehmung ist oft etwas unterschwelliges. Ich möchte mir die Wirklichkeit greifbar machen. In meiner Arbeit möchte das sichtbar machen, was wir unterschwellig wahrnehmen. Das ist natürlich Reduktion. Die Zeichnung oder der Raum ist dann das Ergebnis eines Prozesses, und man kann mich dabei gewissermaßen beobachten, weil man sich die Entstehung der Zeichnung oder der Installation vorstellen kann.
globe-M: Was sind das für Häkeleien?
K. Heister: Ich sammle Haare, spinne sie und häkele diese kleinen Fließe. Die hängen dann in einer Installation an der Wand. Körperabfälle, eben was von uns abfällt, gesammelt und verarbeitet. Der ganze Raum ist ja gestaltet, also auch das, was darin zu finden ist.
Interview: Jens Schünemann
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