Kadidja Wedekind zum Jubiläum

Barbara König am 08.08.2011

Damit nichts verloren geht … leibliche Verwandte widmen sich mit einer Lesung dem literarischen Nachlass von Wedekinds Tochter Kadidja, die 2011 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Ein Abend mit Wedekind

"Neulich war Ihre kleine Tochter hier. Sie ist reizend. Alles an ihr blitzt, Augen, Zähne u. Gehirn." (Gottfried Benn, Brief an Tily Wedekind, 1930)

Adriana Schiffers und Anatol Regnier sind Enkelkinder von Frank und Tilly Wedekind. So erhält der Lesungsabend in der Monacensia eine ganz persönliche Note, wenn beide über Kadidja Wedekind erzählen und aus ihrem literarischen Schaffen zitieren. Ihre Beziehung zu München wird ebenso thematisiert, wie ihre beiden großen Romane „König Ludwig und sein Hexenmeister“, der die Beziehung zwischen Richard Wagner und Ludwig II. behandelt, sowie „Kalumina - Roman eines Sommers“, ein Kinderroman mit Schauplatz am Starnberger See in Bayern.

Münchner Kinderl

Kadidja war nach Pamela die zweite Tochter des Dramatikers Frank Wedekind und seiner Frau, der Schauspielerin Tilly Newes. Sie war erst sechs Jahre alt, als ihr Vater in München starb. Bereits mit elf Jahren begann sie Gedichte und Prosa zu schreiben und ihre Texte zu illustrieren. Nach dem Abitur studierte sie an den Kunstakademien in Dresden und Berlin Malerei und Graphik. Nebenbei schrieb sie für Zeitungen und Zeitschriften Kritiken, Reportagen und Kurzgeschichten. 1937 emigrierte sie in die USA, kehrte 1949 nach Deutschland zurück, wo sie für das Theater arbeitete. Nach einem weiteren USA-Aufenthalt kam sie in den 60er Jahren für immer nach Deutschland zurück. Sie starb im Oktober 1994 in Schwabing. Kadidja Wedekind war mit dem Berliner Rechtsanwalt Dr. Ulrich Biel verheiratet, der seit der Scheidung von Kadidja mit Marion Gräfin Yorck von Wartenburg, der Witwe des Widerstandskämpfers Peter Graf Yorck von Wartenburg, zusammenlebte.

Literaturarchiv der Monacensia

Die literarischen Nachlässe von Frank und Kadidja Wedekind befinden sich in der Monacensia. Die Handschriftenabteilung der Monacensia wurde 1924 von Hans Ludwig Held gegründet, der innerhalb kurzer Zeit 6696 literarische Originalmanuskripte und Autographen aller bedeutenden Schriftsteller des Münchner und oberbayerischen Raums zusammentrug. So auch das einzige Drama von Thomas Mann "Fiorenza" mit dessen Zeichnungen für das Bühnenbild, oder Originale von Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Josef Ruederer, Max Halbe, Annette Kolb, Franziska Gräfin zu Reventlow, Gustav Meyrink, Otto Julius Bierbaum, Michael Georg Conrad und viele mehr. Evakuiert in niederbayerische Klöster und Pfarrhäuser überstand die Handschriften-Sammlung den Krieg.

Weitere Informationen

Monacensia, Literaturarchiv

Lesung Kadidja Wedekind, Eintritt ab 18:30 Uhr

Maria-Theresia-Str. 23

81675 München

Tel.: 089/419 47 20

E-Mail: info@monacensia.net