Kein Weg zu weit

globe-M am 05.04.2011
Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise
Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise
Georg Meier
Georg Meier

Es ist schon komisch, dass jeder deutsche Autor, der Geschichten über Drogen, Sex und Alkohol schreibt, direkt mit Charles Bukowski und Hunter S. Thompson verglichen wird. Im Falle von Georg Meier nicht zu Unrecht.

Denn auch in „Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise“ schreibt Meier wieder hauptsächlich Geschichten, die mit Koksen, Vögeln und dem An- oder Verkauf von Drogen zu tun haben.

Ein Hippie auf Wandertag

Der mittlerweile 63-jährige Meier kann auf eine bewegte Vita zurückblicken. Bereits als Jungspund reißt er von zu Hause aus, um nach Marseille zu trampen. Seine Reise endet jedoch bereits in Augsburg, wo er von der Polizei aufgegriffen wird. In den kommenden Jahren lebt Meier das Leben eines Vagabunden – London, Genua, Barcelona, Paris und seine spätere Wahlheimat Hamburg sind nur einige seiner Reiseziele. Die ersten Erfahrungen mit Drogen sowie der erste Gefängnisaufenthalt in Paris fallen in diese Zeit.

Anfang der 1970er Jahre geht es dann nach Istanbul, Tel Aviv und Indien, wo er mit den verschiedensten Drogen experimentiert und immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Erst 1974 wird er mit seiner Frau Cora „sesshaft“, indem er eine Gaststätte in Limburg an der Lahn eröffnet.

Es sind diese Hintergrundinformationen, die „Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise“ spannend machen. Denn durch sie eröffnet sich für den Leser die Möglichkeit, in Meiers Kurzgeschichten autobiografische Züge zu erkennen. Hierdurch erscheinen die zum Teil grotesken Episoden wesentlich lebensnaher und realistischer. Wobei es keine Rolle spielt, ob es sich tatsächlich um Erfahrungsberichte des Autors handelt.

Kurzweilige Stories

Die Kurzgeschichten von Georg Meier sind um einiges interessanter und besser zu lesen, als sein Vorgängerroman „Mit John Lennon und dem Gibbon nach Ancona“, der gegen Ende einfach zu überzeichnet wirkte. Es tut den "Stories" gut, dass immer wieder der Protagonist, die Zeit oder auch der Ort des Geschehens gewechselt wird. So ist „Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise“ kurzweilige Unterhaltung mit kleinen sozialkritischen Untertönen (Jeder der die Betonküste von Malaga gesehen hat, weiß wovon Meier in „Doppelzimmer zur Einzelnutzung“ spricht), die Spaß auf mehr macht. Und um ehrlich zu sein, musste man nach dem letzten Roman und der dazugehörigen Lesereise mit Martin Semmelrogge damit nicht mehr unbedingt rechnen.

 

Georg Meier – Kein weiter Weg vom Puddingshop zum Pére Lachaise


Dittrich Verlag


ca. 249 Seiten


ISBN 978-3-937717-64-7
 

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