
Seit dreißig Jahren gibt es das Kunsthaus Dresden. Nach umfassenden Umbauarbeiten im letzten Jahr nahm man die Baustellen-Atmosphäre zum Anlass, sich mit den Räumen des Hauses auseinander zu setzen.
Frischer Wind drinnen und draußen
1981 als Galerie Rähnitzgasse gegründet, wurde das Haus nach der Wende zur städtischen Galerie für Gegenwartskunst. Seitdem werden stetig internationale und regionale Tendenzen der Gegenwartskunst in dem kleinen Haus in der Dresdner Neustadt präsentiert.
Im letzten Jahr unternahm man den Umbau des Kunsthaus-Vorplatzes nach Plänen des Künstlers Jozef Legrand. Diese Neuordnung sollte auch in den Innenräumen der Galerie zu spüren sein. Dementsprechend widmet sich die aktuelle Ausstellung Auxiliary Constructions – Behelfskonstruktionen der künstlerischen Auslotung von Raumkonzepten.
Mehr als nur vier Wände
Anhand der konkreten Räume des Kunsthauses treffen die gezeigten Künstler ihre Aussagen. Das barocke, ehemals in kleine Wohneinheiten aufgeteilte und verwinkelte Haus wird in seiner Struktur hinterfragt und aufgebrochen.
Heike Mutter und Ulrich Genth ziehen eine Mauer aus Glasbausteinen durch das gesamte Obergeschoss und trennen damit das Gebäude in zwei Hälften. Der Besucher ist gezwungen, die Treppen im Hinterhaus zu benutzen, um einen Blick hinter die Wand zu werfen. Als Motiv haben Mutter und Genth einen sehr spannungsgeladenen Raum gewählt. Grob verpixelt sollen die Glasbausteine die bekannte Szenerie des Situation Rooms während der Tötung Osama Bin Ladens darstellen.
Auch Marten Schech errichtet neue Mauern. Im Innenhof schuf er Verlängerungen der Wände des Untergeschosses. Die so entstandenen neuen Räume dienen als Labyrinth und Kulisse zugleich. Von den Fenstern des Obergeschosses aus können die Besucher beobachten, wie unten die Menschen zwischen den Wänden umherirren.
Stef Heidhues subtile Wand aus Metallornamenten ist zwar nicht so massiv wie die von Genth und Mutter, wirft aber ebenfalls Fragen nach Ab- beziehungsweise Ausgrenzung auf.
Jozef Legrand hingegen reißt Wände ein. Im Untergeschoss legte er eine Fensterfront frei, die nun den Blick auf den von ihm gestalteten Vorplatz freigeben.
Ein Highlight bietet die Arbeit Versteck von Stefan Eichhorn. Eine Besonderheit des Kunsthauses ist eine Falttür aus Holz, die Günther Uecker einst mit großen Tischlernägeln spickte. Sie ist sonst hinter einer Rigipswand verborgen, um Platz für andere Werke zu schaffen. Stefan Eichhorn versah die Rigipswand nun mit einer Automatik, die zu bestimmten Zeiten laut scheppernd die Wand öffnet und Ueckers Nagel-Tür enthüllt.
Die selbstreflexive Ausstellung des Dresdner Kunsthauses bietet sehr interessante Konzepte zum Thema Räumlichkeit und bezieht die Bewegungen der Betrachter mit in das Ausstellungskonzept ein.
Weitere Informationen
Auxiliary Constructions – Behelfskonstruktionen
30. Oktober 2011 bis 5. Februar 2012
Kunsthaus Dresden – Städtische Galerie für Gegenwartskunst
Rähnitzgasse 8, 01097 Dresden
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 14 – 19 Uhr, Freitag bis Sonntag 11 – 19 Uhr, Freitag Eintritt frei
Ausstellungsvermerk des Kunsthauses Dresden