
Die kenne ich doch irgendwoher, wird sich mancher fragen, wenn er ab 16. September in der Ausstellung Dürer-Cranach-Holbein Das deutsche Portrait um 1500 vor dem Brustbild einer jungen Venezianerin oder dem Portrait der Elsbeth Tucher steht.
Auch der unbekannte Herr auf dem Bildnis eines bartlosen Mannes um 1500 kommt einem bekannt vor. Derzeit sind die Bilder noch in Wien im Kunsthistorischen Museum zu besichtigen. Aber vor nicht allzu langer Zeit, genauer gesagt bis zum Jahreswechsel 2001/02, als die D-Mark zum Euro wurde und man statt Portrait-Bildnissen Phantasie-Bauwerke auf das Geldpapier druckte, bis dahin hatte jeder diese Personen als kleine Portraitkunstwerke im Geldbeutel. Die Venezianerin von 1505 auf dem 5-Mark Schein, die Nürnberger Patrizier- und Kaufmannsfrau Elsbeth Tucher von 1499 auf dem 20-Mark Schein, und der unbekannte Herr ohne Bart zierte den 10-Mark Schein.
In Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien präsentiert nun die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München eine Ausstellung zum deutschen Porträt um 1500. Rund 170 hochkarätige Kunstwerke – darunter Gemälde Albrecht Dürers (1471-1528), Lucas Cranachs d.Ä. (1472-1553) und Hans Holbeins d. J. (1497/98-1543) sowie Meisterwerke der Bildhauerei, Numismatik, Grafik und Zeichenkunst – zeigen, wie das Individuum um 1500 ins Zentrum des künstlerischen Interesses rückte und Künstler zu Entdeckern und Erfindern des Menschen avancierten.
Zwischen Idealisierung und Ähnlichkeit
"Die Ausstellung widmet sich dem Blick des Künstlers auf den Menschen am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit im deutschen Sprachraum. Die frühe deutsche Porträtkunst wurde noch nie in einer eigens ihr gewidmeten großen Publikumsausstellung thematisiert. Denn allzu sehr haben die Schatten altniederländischer oder italienischer Bildnisse den Blick auf die deutschen Beiträge zum Thema getrübt. Zwar dürfen sich die Niederländer rühmen, mit ihrem Naturalismus die Unverwechselbarkeit in der Abbildung des Menschen erst ermöglicht zu haben, und die Meister Italiens, dass sie durch die Spannung zwischen Idealisierung und Ähnlichkeit den Schönheitsbegriff einer ganzen Epoche, der Renaissance, prägten. Doch gelangte gerade auch die deutsche Bildnismalerei – an der Spitze ihre größten Exponenten: Dürer, Cranach d. Ä. und Holbein d. J. – zu hoch bedeutenden und sehr eigenständigen künstlerischen Leistungen, deren besondere Stärke in der authentischen Erfassung einer Person, gepaart mit der subtilen psychologischen Durchdringung der Dargestellten liegt." so das Ausstellungsteam Kurator Karl Schütz, ehemaliger Direktor der Gemäldegalerie am Kunsthistorischen Museum Wien, und Kurator Christof Metzger (KHM), sowie Christiane Lange und Roger Diederen von der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München.
Aug in Aug mit Albrecht?
Das Portrait des 28 jährigen Sohnes eines ungarischen Einwanderers, wird man in der Ausstellung allerdings vergeblich suchen. Das Selbstbildnis des Albrecht Dürer aus dem Jahr 1500 ist noch bis 19. September in der Alten Pinakothek in München unter dem Titel Drunter und Drüber zu betrachten: Mit Hilfe der digitalen Infrarotreflektografie des Doerner Instituts wird in 1:1 großen Abbildungen sichtbar gemacht, wie der Künstler auf der Holztafel oder der Leinwand zeichnete, bevor er malte.
Weitere Informationen
Dürer – Cranach – Holbein
Das deutsche Porträt um 1500
16. September 2011 – 15. Januar 2012
Kunsthalle der
Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München