Schöner wohnen, woanders

Jessica Bock am 08.02.2012
Aus der Serie !Nail Houses?, 2011, Courtesy Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie !Nail Houses?, 2011, Courtesy Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie Case Study Homes, 2009, Courtesy LA Galerie Frankfurt, Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie Case Study Homes, 2009, Courtesy LA Galerie Frankfurt, Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie Informal Arrangements, 2010, Courtesy Robert Morat Galerie Hamburg, Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie Informal Arrangements, 2010, Courtesy Robert Morat Galerie Hamburg, Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie !Nail Houses?, 2011, Courtesy Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)
Aus der Serie !Nail Houses?, 2011, Courtesy Peter Bialobrzeski (Ausschnitt)

Wie Menschen am anderen Ende der Welt leben, zeigt der Fotojournalist Peter Bialobrzeski zur Zeit im Kölner Forum für Fotografie. Nach Ikea-Möbeln sucht man auf seinen Bildern vergebens.

Wohnst du noch?

Die Ausstellung trägt den Namen Habitat und setzt sich aus drei Werkserien zusammen. Case Study Homes zeigt Baracken, die Menschen auf den Philippinen bewohnen. Der Titel verweist ironisch auf das „Case Study Houses-Programm“, das Amerikanern in der Nachkriegszeit günstige  Modellhäuser sicherte. Diese Häuser im Großraum Los Angeles haben heute Kultcharakter. Doch den Menschen der Dritten Welt bleibt nichts weiter übrig, als sich mit dem am Strand angespülten Zivilisationsmüll notdürftige Baracken zu bauen, um in ihnen zu hausen. Durch Bialobrzeskis dokumentarischen Stil wirken die Bilder zurückhaltend und sachlich. Die Konzentration liegt auf den Formen und Oberflächen der Bauten.

Ein intimerer Einblick gelingt Bialobrzeski mit der Serie Informal Arrangements, die das Innere von Slum-Hütten in Kliptown bei Johannesburg zeigt. Kliptown befindet sich unmittelbar in der Nähe eines WM-Stadions. Doch wie man sieht, ist bei den Einwohnern nicht viel von dem sportlichen und medialen Großereignis angekommen. Auch sie benutzen anderer Leute Müll, um sich mit ihren beschränkten Mitteln ein Heim einzurichten.

Die dritte Serie schließlich heißt !Nail Houses? und thematisiert die chinesische Boom-City Shanghai. Der Begriff „Nail House“ ist eine chinesische Wortschöpfung. Man bezeichnet damit Häuser, die nicht abgerissen werden können, da die Bewohner nicht ausziehen wollen. Diese Häuser sind so schwierig zu entfernen wie Nägel, die sich nicht herausziehen lassen.
Die bereits extrem demolierten Häuser, die Bialobrzeski fotografiert hat, sehen nicht so aus, als könnten sie noch jemandem ein Heim bieten. Trotzdem lassen sich Lebenszeichen auf den Bildern entdecken: Wäscheleinen, Fahrräder, Pflanzen. Zudem fotografiert Bialobrzeski sie in der Nacht. Deshalb schimmert hinter den Fenstern Licht – ebenso wie die Hoffnung, das Heim nicht zu verlieren.

Oder lebst du schon?

Peter Bialobrzeski vermag es Kunst mit Journalismus zu verbinden. Unbestreitbar sind seine Bilder von einer sachlichen und ungewöhnlichen Schönheit. Darüber hinaus jedoch öffnen sie den Blick für den Betrachter. Sie dokumentieren die Bedingungen unter denen Menschen leben. Zudem belegen sie das Bedürfnis nach einem Heim. Selbst unter den widrigsten Umständen braucht der Mensch einen Ort, an dem er sich zu Hause fühlen kann.

Weitere Informationen

Peter Bialobrzeski: Habitat
15. Januar bis 11. März 2012
Forum für Fotografie
Schönhauser Str. 8, 50968 Köln
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag 12 – 18 Uhr, Sonntag 12 – 16 Uhr

Ausstellungsvermerk des Forums für Fotografie