Dieser Film nutz seine Handlung vor allem, um die Kulisse zu beleuchten. Mit „Eine Karte der Klänge von Tokio“ hat die spanische Regisseurin Isabel Coixet der japanischen Metropole ein zeitgemäßes Denkmal gesetzt.
Malerischer Thriller
Undurchsichtige Profikiller, rachsüchtige Geschäftsleute und eine asiatische Metropole: Der Rahmen des Films klingt zunächst vertraut und konventionell. Dennoch ist „Eine Karte der Klänge von Tokio“ ein etwas anderer Thriller, der seinen Schauplatz zur Hauptfigur macht.
Alles beginnt mit dem Selbstmord der hübschen, jungen Frau Midori. Deren Vater Mr. Nagara hat den mutmaßlichen Grund für den Freitod seiner Tochter schnell gefunden und ihren Liebhaber, den Spanier David als Wurzel allen Übels identifiziert. Getrieben von dem Wunsch nach Vergeltung engagiert der Geschäftsmann die sonderbare Fischhändlerin Ryu, die neben ihrer Tätigkeit als Markfrau sich auch gelegentlich als Profikillerin verdingt. Doch statt den Auftrag wie befohlen umzusetzen, entwickelt sich zwischen David und Ryu eine brisante Affäre.
Regisseurin Isabel Coixet, die von sich behauptet, eine zwanghaft neugierige Person zu sein, lebt mit ihrem aktuellen Film ihre Liebe zur Metropole Tokio und insgesamt der japanischen Kultur aus. Maßgebend und spürbar ist eine Faszination für den Clash zwischen moderner Architektur oder Wirtschaft und uralten Traditionen, die sich anhand von zahlreichen Tempeln und Friedhöfen im Stadtbild manifestieren. Es scheint kein Zufall, dass Coixet ihren Protagonisten David als spanischen Weinhändler portraitiert, dessen Blick auf das Leben in Tokio ebenso fremd und von Fragen getrieben ist, wie die Sicht der Filmemacherin.
Poetisches Portrait einer Metropole
David (Sergio Lopez / "Pan's Labyrinth") und Ryu (Rinko Kikuchi / "Babel") verstricken sich im Verlauf der Handlung in sinnliche Abgründe und erotische Wirrungen, dennoch bleibt die etwas konstruiert wirkende Geschichte nur der Rechtfertigungsgrund, die Kulissen und Schauplätze des Films in intimen, stimmungsvollen Bildern zu zeigen. Bittersüß, fein gezeichnet und künstlerisch, setzt Coixet die Stadt in Szene und spielt mit Licht und Tageszeiten.
Seitdem Isabel Coixet 2003 mit „Mein Leben ohne mich“ europaweit große Anerkennung ernten konnte, hat sich die spanische Regisseurin und Autorin endgültig aus dem Feld des Werbefilms verabschiedet. Auch ihre Werke „Das geheime Leben der Worte“ und „Elegy oder die Kunst zu lieben“ zeichnen sich vor allem durch eine poetische Bildersprache aus und fanden Anklang in den Programmkinos.
Mit „Eine Karte der Klänge von Tokio“, der 2009 auch im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes vertreten war, führt sie diesen Weg des metaphorischen, melancholischen Kinos fort. Auch wenn sich nicht alle Bilder und Analogien direkt auflösen und erschließen, besitzt der Film eine besondere Wirkung.
Erschienen auf DVD und Blu-Ray bei Alamode / Al!ve
Weiterführende Links: Offizielle Homepage des Films