
150 Jahre Nahverkehr feiert die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) dieses Jahr und am Samstag feierten 40 000 Münchner mit. Ein Korso mit historischen Fahrzeugen erstreckte sich von der Maximilianstraße
bis zum Max-Weber-Platz, Fahrten mit alten Trambahnwagen waren möglich und Ausbesserungswerkstätten erlaubten Einblicke hinter die Kulissen. Das Trambahnmuseum konnte einen Besucherrekord verzeichnen. MVG-Chef Herbert König: „Der Nahverkehr in München ist jetzt 150 Jahre alt, und über 100 Jahre fahren unsere Busse und Bahnen schon unter städtischer Flagge. Wir stehen damit für die kommunale Daseinsvorsorge und sichern mit unserem Nahverkehrsangebot aus einem Guss ein Stück der Münchner Lebensqualität.“
Jetzt wieder zusteigen, eine tolle Fahrt beginnt.
Zur Münchner Lebensqualität gehört auch die ganzjährige Fortsetzung des Oktoberfests auf den Trambahnschienen. Besonders die alten Großraumwagen (sog. P-Wagen) kommen den Fahrgeschäften aus den 1960er Jahren nahe: Scheinwerfer, Karosserieform und die Inneneinrichtung mit verchromten Haltestangen an den Sitzlehnen erinnern stark an das Calypso, ein sogenanntes Kreuzdrehgeschäft, weil die Gondeln an den Enden eines sich drehenden Kreuzes herumgeschleudert werden. Eine tolle Fahrt, aber leider Fortbewegung ohne Landgewinn.
Andere Transportanalogien waren nun seit Wochen auf Plakaten der Jubiläums-Kampagne „München mag's mobil!“ zu sehen:
„Sechs Motive zeigen dabei, welch originelle Fortbewegungsmittel sich die Menschen seit jeher ausgedacht haben. Denn wenn es darum geht, gut unterwegs zu sein, hat München viel Erfahrung. Immerhin gibt es den Omnibus seit 150 Jahren, die Tram seit 135 Jahren und die U-Bahn seit 40 Jahren.“ so die Selbstdarstellung der MVG. Und an anderer Stelle heißt es dazu:
"Voran geht es allein oder gemeinsam, einfach flott und ganz schön kreativ. Das veranschaulichen die auf den Plakaten gezeigten Vehikel – von der Schildkröte über die Seifenkiste bis zum Tandem oder Riesenreifen. Auch wenn sie eher originell als massentauglich sind – ganz anders als U-Bahn, Bus und Tram.“
Was wollen Sie uns damit sagen?
Jedes Plakatmotiv zeigt historische Schwarzweiß-Fotos, auf denen Personen (einmal sind es zwei und drei) versuchen, sich mehr oder weniger originell als Individuen fortzubewegen. Individualverkehr – eine sonderbare Thematik für öffentliche Massenverkehrsmittel:
„die Nase vorn“ hat ein Seifenkistenfahrer
„Gute Gesellschaft“ finden zwei auf einem Mini-Tandem,
„Flott unterwegs“ sind Mädchen auf Schafen
„Platz für alle“ bietet ein sonderbares Fahrrad, einen
„ökologischen Antrieb“ hat ein junger Schildkrötenreiter
und eine
„Runde Geschichte“ ist ein Monorad für seinen Fahrer.
Gefahren oder geritten wird vor der Münchner Glyptothek oder im Englischen Garten vor der Stadt-Silhouette.
Shrop das Schaf
Noch etwas wirkt sonderbar an diesen Plakaten mit dem Retro-Touch: irgendwie ist die Bebilderung nicht stimmig.
Die Seifenkiste ist englisch beschriftet – kann vorkommen. Der Mann auf dem Minifahrrad hat den Union-Jack auf seinem Pullover – ein Geschenk von Grandma Mary? Die Mädchen reiten auf englischen Shropshire-Schafen – aus den Ferien mitgebracht? Dem Fahrer in seinem Monowheel scheinen Englische Gärten nicht fremd zu sein – aber nur die auf der Insel selbst.
Könnte es sein, dass sich die Werbeagentur bei diesem ureigensten München-Thema Fotos aus einer anglo-amerikanischen Bilder-Datenbank geladen hat, deren Motive zwar originell sind, aber die Geschichte einer anderen Gesellschaft illustrieren?
Thank you for traveling MVG
Wollte man sich vielleicht an die zweisprachigen Ansagen angleichen? „Nächste Haltestelle: Sendlinger Tor. Umsteigemöglichkeit zur U-Bahn. Next stop Sendlinger Tor. For underground trains please change here“. Oder soll es ein Hinweis auf die London Underground sein, die erste U-Bahn der Welt? Oder ein Verweis auf schienengebundene Fahrzeuge überhaupt, kommt doch auch die Eisenbahn ursprünglich aus England?
Doch schon beim Omnibus stimmt's dann wieder nicht. Der leitet sich wohl von der Reklame des französischen Kaufmanns Omnes ab, der "Omnes omnibus“ (Omnes für alle) auf Pferdekutschen schreiben lies. Omnibus blieb, Omnes ist vergessen.
Vorschlag
Hätte man auf dem eigenen Dachboden nicht auch ein paar alte Fotos von absurden Transportmitteln finden können, die sowohl originell und massentauglich sind und einen Bezug zu München haben?
Zum Beispiel: Wilde Maus, Enzian-Express, Olympia-Looping, Fahrt ins Paradies, Wildwasserbahn, Toboggan!
Passt nicht? Volksbelustigung?
Und was ist bitte mit dem P-Wagen?
Please do not hesitate to ask us!
Public Transport for Munich (TFM) Customer Care.
Alle Fotos, wenn nicht anders genannt © MVG