Seit mittlerweile 28 Jahren ist Volker Pispers als Polit-Kabarettist durch die Republik unterwegs. Sein Programm ist aktueller und wichtiger denn je, und doch bleibt nach seinem Auftritt ein übler Beigeschmack.
Das Düsseldorfer Zakk ist ausverkauft. Wer Volker Pispers bei einem seiner Heimspiele erleben möchte, muss sich frühzeitig um Karten kümmern, denn erfahrungsgemäß sind die fast 500 Tickets ein halbes Jahr im Voraus vergriffen.
Und so waren auch schon kurz nach sieben fast alle Plätze besetzt und eine gewisse Anspannung machte sich beim Publikum breit. Pispers beginnt pünktlich um 20 Uhr. Schnell wird klar, warum er zu den besten Polit-Kabarettisten Deutschlands zählt. Egal ob Guido Westerwelle, Angela Merkel, die Krankenversicherungen oder die Kommunen in NRW, alle bekommen sie ihr Fett weg. Dabei fällt auf, dass Pispers zwar das aktuelle Tagesgeschehen mit einbindet, manche Themen aber bereits einige Jahre auf dem Buckel haben. Der guten Stimmung tut dies aber keinen Abbruch und so sind die 70 Minuten bis zur Pause kurzweilig und unterhaltsam.
Es gibt keine Grautöne. Pispers sieht schwarzweiß
Nach der Pause kommt es dann jedoch zu einem kleinen Bruch im Programm. Es folgt mehr Politik und weniger Humor. Dass Kabarettisten eher dem linken Lager zuzuordnen sind, ist bekannt, dass von der Bühne aus Wahlwerbung für eine bestimmte Partei gemacht wird, weniger.
Die SED-Vergangenheit spielt hier und heute keine Rolle. Es wird über schwarz, gelb, grün und rot gelästert. Und man wird kurzzeitig das Gefühl nicht los, dass „Die Linke“ der Heilsbringer für unser Land ist. Leider vergisst Pispers Politiker wie Oskar Lafontaine oder Klaus Ernst die als Sozialisten auch nicht gerade ein abweisendes Verhältnis zum Kapitalismus haben. Den Kapitalismus, den der Kabarettist zwei Stunden lang verteufelt hat. Ob das nun inkonsequent oder „kleineres Übel“ ist, sei mal dahin gestellt. Und auch zum Thema Afghanistan oder in Bezug auf die deutschen Krankenversicherungen hätte man sich mehr Reflektion gewünscht. Stumpfe Stimmungsmache hat Volker Pispers eigentlich nicht nötig, und trotzdem schrammt er ein ums andere mal knapp daran vorbei.
Zieht man diese halbe Stunde ab, war sein Auftritt auf dem gewohnt hohen Niveau, dass Pispers zu dem gemacht hat, was er heute ist… der wahrscheinlich beste und aktuellste Polit-Kabarettist unseres Landes.
Fotos: Ilona Klimek