Zeitgemäßer Schund

Bastian Küllenberg am 22.12.2010
Fred Williamson
Fred Williamson
Danny Trejo
Danny Trejo

Dank Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, wissen viele, dass Action-Kino sich nicht zu ernst nehmen muss. Der Schauspieler Danny Trejo ist ein Gesicht dieses modernen B-Movie-Genres. In "Shoot The Hero" ist er stilecht als Bösewicht zu sehen.

Quentin Tarantino ist ein Liebhaber von gut gemachtem Schund. Seit seinem Durchbruch mit "Pulp Fiction" ist der Filmemacher eifrig bemüht, oftmals verschmähte Genres wie die Action- oder Splatter-Filme der 70er und 80er Jahre zu rehabilitieren. Seine Werke "Deathproof" und "Inglorious Basterds" zitieren sich munter durch verstaubte, mies beleuchtete Videotheken, in denen noch ausschließlich VHS-Kassetten und einige Laserdiscs stehen.

Ikonen des B-Movies und Independent-Films

Der verschrobene Amerikaner ist damit der bekannteste Vertreter eines modernen B-Movies, das es in seinem Fall gar bis in die Feuilletons geschafft hat. Doch auch abseits solcher Ehrungen lebt das Genre und verzeichnet immer wieder erfreuliche Beiträge. Der jüngst auf DVD erschienene "Shoot The Hero" stellt sich klar in diese Tradition von überzeichneten, augenzwinkernden Action-Filmen sowie dezent trashigen Roadmovies.

Die Rolle des Bösewichts Crazy Joe übernimmt mit Danny Trejo ein prominentes Schurkengesicht und eines der Aushängeschilder jenes Genres, um das es hier geht. Mit knapp Vierzig debütierte der ehemalige St. Quentin-Häftling und Boxchampion. Seither war er in zahlreichen Action-Filmen wie "Con Air" und "Heat", als knurriger Bösewicht oder gar in der "Spy Kids"-Reihe als sympathisch brummiger Lieblingsonkel zu sehen.

Regiesseur Robert Rodriguez arbeitet besonders gerne mit Trejo und besetzte ihn auch in "Desperado", "Once upon a time in New Mexico" und seinem rasant-makabren Meisterwerk "From Dusk Till Dawn", einer Co-Produktion mit Tarantino. Ende 2010 schließlich folgte die endgültige Ehrerweisung, indem Trejo den Action-Spaß "Machete" auf den allerdings etwas eingerosteten Leib geschrieben bekam.

Fred Williamson ist eine weitere Rodriguez erprobte B-Movie-Legende, die in "Shoot The Hero" mit einer Nebenrolle gewürdigt wird. In den 70er Jahren war der großgewachsene Schauspieler einer der Stars des "Blaxploitation"-Kinos und machte sich mit Rollen wie in "Black Caesar" oder "Jefferson Bolt" bei Fans unsterblich. Robert Rodriguez und Quentin Tarantino verschaffte auch ihm neben Danny Trejo durch "From Dusk Till Dawn" eine Auffrischung des Kultstatus bei einer jungen Generation.

Ebenfalls vertraut dürften Freunde des US-Independent-Films mit dem Gesicht von Hauptdarsteller Jason Mewes sein. Der Gelegenheitsschauspieler taucht zwar immer wieder in eher fragwürdigen Komödien auf, hat sich jedoch durch seine unnachahmliche Darstellung des "Jay" im Werk von Kult-Regiesseur und Comic-Autor Kevin Smith ("Clerks", "Dogma") ausgezeichnet.

Rasant aber etwas zu knapp

Es wundert wenig, wenn man die szenebekannten Mitwirkenden als erstes erwähnt, bevor es zur Geschichte kommt. Die ist in "Shoot The Hero" eher zweitrangig und besteht im wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von prekären Situationen, die das junge Paar Nate und Kate sowie die beiden Smith-Brüder Fat und Thin überstehen müssen. Dabei werden sie mit paramilitärischen Söldnertruppen, einer Gangsterbande sowie ihrer eigenen Courage konfrontiert und es hagelt Hiebe und Patronen.

Insgesamt hat sich Regiesseur Christian Sesma vielleicht ein bisschen wenig Zeit genommen, seine verschlungene Story zu entfalten. Auch die gut angefangenen Nebenrollen von Trejo und Williamson wären sicher ausbaufähig gewesen. Nach etwas mehr als 70 Minuten läuft bereits der Abspann, doch eins ist sicher: Man hat sich nicht gelangweilt. Einzig die Tatsache, dass die Synchronisation mehr als ärgerlich ausgefallen ist, trübt ein wenig die Stimmung. Doch zum Glück ist der Film auch mit der originalen US-Tonspur versehen. Einfach auf englisch gucken, dann klappt es mit der Action.

"Shoot The Hero" ist erschienen auf DVD und Blu-Ray bei Evolution / Al!ve
weiterführende Links: Offizielle Homepage des Films