Zettl - viel besser als behauptet

Justinus Pieper am 04.02.2012
Helmut Dietl
Helmut Dietl

Muss ick mir als Baliner meene Stadt von einem Münchner (Dietl) erklären lassen? Oder von Stuckrad-Barre (Co-autor von Dietl)? Aber es können ja nicht nur Filme von Berlin aus gemacht werden.

Das hier ist: Ein Schelmenroman. Und so funktioniert Kino, so funktioniert eine gute Geschichte, so funktioniert der Traum vom hässlichen Entlein und vom Schwan, von Karriere und dem ganz großen Los. Klar, es geht manchmal ein bisschen langsam, ja fast altmodisch zu in dem Film. Ein bisschen, das mögen die Achtziger sein, und von Berlin aus gesehen, ein bisschen Provinz, das Tempo.
Aber: Deutschland ist nicht Berlin, und Berlin ist nicht München. Das mag man bedauern. Grad wenn man Helmut Dietl heißt, dem München leuchtet, noch immer, noch ewig.

Berlin hat vier Millionen Einwohner, und München nicht. Berlin hat vier Millionen Einwohner, die Bundesrepublik aber 81. Auch wenn zu hoffen ist, dass die 77 Millionen Nicht-Berliner nicht in jedem Fall bedient worden sind: Das war manchmal doch zu derbe, und zu grob gezeichnet dazu. Das war auch nicht mehr für Lieschen Müller, deren Großnichte gewiß schon lange in Friedrichshain demonstrieren geht. Ja, Berlin hat Kreative, ungewollt bauchfreie Nerds und Ausgeflippte, und es ist, von München aus, ein kleines bisschen unübersichtlich. Ja, wir haben einen schwulen Bürgermeister, auch wenn der schon ein bisschen (amts-)müde ist. Ja, es gibt ein bisschen Russen, vor denen man sich im Süden wohl noch etwas fürchtet. Ja, es gibt hier Figuren, die gibt es hier, und anderswo nicht. Ja, Helmut Dietl ist das aufgefallen.

Und trotzdem. Er hat auch gut beobachtet – und wo nicht, hat er gekonnt überzeichnet: Christoph Süß (endlich!) gibt den herrlich aaligen Polit-Strippenzieher, und Harald Schmidt den schwäbischen Besserwessi, ganz grandios. Bully Herbig (als Zettl) führt souverän durch das Programm, seine Auftritte haben allenfalls gegen Ende ein bissel Längen, leider grad, als Tukurs (der schweizer Milliardär) ebensolche nachlassen. Und Senta Berger und viele andere wie Dieter Hildebrandt sind ohnehin in Topform. Wer denkt nach diesem Film noch an Kroetz? Baby Schimmerlos ist nur noch als Asche dabei.

Fazit: Der Film ist ein bisschen provinziell, aber eben nicht nur. Herbig, Dietl & Co. haben ihre Sache, alles in allem, gut gemacht. Und kann sich Harald Schmidt irren?

Er kann, aber auf schwäbisch noch besser.

 
 

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