Das langsame Entgleisen einer Gesellschaft

Der Film „Der Partyschreck“ mit Peter Sellers in der Hauptrolle ist weltbekannt. Jetzt gibt es eine lokale Adaption von Judith Huber und Eva Löbau, die im Schwere Reiter auf die Bühne kommt. Die „Bairishe Geisha“ erkundet die Blamage als Alltagskatastrophe, die jeden treffen kann.

Come as you are

Keiner will das: auf einer Party der Außenseiter sein. Der Exot, der die falschen Witze macht und zielsicher in jeden Fettnapf tritt. Nicht so die Bairishe Geisha. Sie erkundet die Blamage als Alltagskatastrophe, die jeden treffen kann bei gesellschaftlichen Anlässen. Es ist die herzliche Einladung zu einer Schamparty. „Man stolpert durch verbotene Türen und übt therapeutisch den Umgang mit peinlichen Entdeckungen, die man lieber nicht gemacht hätte. Und wenn man in den Abgrund geschaut hat, kann man dann überhaupt zur Gesellschaft zurückkehren?“

Bayrische Teezeremonie im japanischen Wirtshaus

Die Figur der „Bairishen Geisha“ bedarf Erklärung. Schon allein aufgrund ihrer Doppelexistenz als Performance-Team und urbane Mythengestalt. Aus einem Duo Ende der Neunziger schälte sich zunehmend der Charakter einer nicht nur erotischen Dienstleisterin heraus. Das einst imaginäre Teehaus wandert auf die Bühne, wo die Bairishe Geisha, mittlerweile dreiköpfig, "Gastmähler" gibt.

Der neueste Coup der Geisha

Das Theaterstück "PS: Und ich weine wenn ich will" lehnt sich locker an Blake Edwards' Film "Der Partyschreck" an - und darum wird gefeiert. Um den Mangel an Tiefe aus ihrem Leben zu entfernen hat sich die Geisha zuvor einen Therapeuten geleistet. Und Christoph Theußl ist ein prima Therapeut mit hanebüchenen Fragen, wie "Bedeutet Stuhlgang für sie Verlust?". Auf der Party übernimmt er Sellers' Part, trägt eine schwarze Lockenperücke und schreckliche Zähne. Der Wille zum größeren Ernst lässt die Komik derber werden, manchmal bis zur Ekelschwelle. Doch lakonische Kommentare und der besondere Geisha-Charme sorgen immer wieder für heitere Momente.

Gelegenheit zum Fremdschämen

Die Bairishe Geisha ist sicher keine Identifikationsfigur. Sie ist oft biestig und ungerecht, singt absichtlich zu hoch oder falsch und sagt derbe Kommentare. Aber sie träumt auch vom ewigen Zuspätkommen und anderen kleinen menschlichen Schwächen. Und dann spielen die unglamourösen Partygäste plötzlich Samba, die türkise Sitzlandschaft verschwindet unter Sahne und Klopapier- Luftschlangen - und alles ist gut.

Judith Huber als Performerin

Ausgebildet an der Stage School of Dance and Drama in Hamburg, lebt Huber aktuell als freie Schauspielerin in München. Engagements führten sie nach Zürich (Schauspielhaus), Hamburg (Kampnagel, Kammerspiele), Berlin (Barracke DT, Sophiensaele) und an die Städtischen Bühnen Nürnberg. Mit der Produktion „sitzen in hamburg“ war sie Preisträgerin des Impulse Festivals. Zusammen mit Marianne Kirch und Eva Löbau ist Judith Huber die „Die Bairishe Geisha“.

Schauspielerin und Konzeptenwicklerin Eva Löbau

Die 1972 geborene Eva Löbau studierte am Max- Reinhardt-Seminar Wien bevor sie Gründungsmitglied der Theatergruppe Die Bairishe Geisha wurde, mit der sie seit acht Jahren im Kollektiv Stücke für München konzipiert und dort auch aufführt. Sie spielt auf Kampnagel und im Fleetstreet Theater in Hamburg, am Hebbel Theater am Ufer und in den Sophiensaelen in Berlin. Seit 2001 besteht eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Regisseurin Angela Richter. Löbau war Gast am Schauspiel Hannover, Stadttheater Basel und am TiF in Dresden. Außerdem spielt sie in Film- und Fernsehproduktionen, wie „Der Wald vor lauter Bäumen“ von Maren Ade, „Knallhart“ von Detlev Buck und „Hotel Very Welcome“ von Sonja Heiss. Eva Löbau lebt in Berlin und München.

Weitere Informationen

Schwere Reiter Theater PS: Und ich weine wenn ich will (UA) nach Blake Edwards' Film "Der Partyschreck" Konzept und Regie: Judith Huber, Eva Löbau, Bühne: Markus Grob, Musik: Christoph Theußt, Dim Sclichter, Kostüme: Detlev Diehm, Licht: Igor Belaga, Ton: Hannes Gambeck, Percussion: Go Brazil.

27. – 30. Januar, 20:30 Uhr

Dachauer Straße 114

80636 München

Tel.: 089 32494270
info@schwerereiter.de

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