Im Porträt: weissbooks.w Frankfurt

Globe-m stellt vor: Die wichtigsten deutschsprachigen Independent-Verlage. Den Anfang machen weissbooks.w aus Frankfurt

  

Der durchschnittliche Buchhandelskunde - soweit man von einem solchen überhaupt sprechen kann - kennt den Unterschied zwischen einem Independent- und einem Konzernverlag nicht. Wie auch, er nimmt die meisten Independent-Verlage gar nicht erst wahr. Der Buchhandel wird beherrscht von "den Großen". Gerade in den Auslagen der großen Buchhandelsketten werden zumeist nur Bücher von den Verlagen präsentiert, die sogenannte Werbekostenzuschüsse zahlen - so etwas kann sich aber ein kleiner Verlag selten leisten.
An Einfallsreichtum mangelt es den Independent-Verlagen indes nicht: Gerade das Internet zeigt immer wieder neue Wege auf, in denen ambitionierte Bücher ihre Leser finden.

Gewinnverzicht und Selbstausbeutung

Das ist das Prinzip, mit dem die Independent-Verlage im deutschsprachigen Raum Pionierarbeit leisten. Sie entdecken und fördern literarische Debütanten - Autoren, deren Bücher wahrscheinlich nie gedruckt werden würden in einem Verlag, der rein wirtschaftlich arbeitet. Sie übersetzen unbekannte Autoren und arbeiten an subkulturellen Verlagsprogrammen. Ohne seine Independent-Verlage wäre die deutschsprachige Literaturlandschaft um einiges ärmer. Aus diesem Grund widmet globe-m den Independent- Verlagen eine ganze Serie. Den Anfang bestreitet weissbooks.w aus Frankfurt.

Die Verwirklichung eines Traums

Suhrkamp - ein Name, den jeder kennt: sogar diejenigen, die sich normalerweise in der Verlagslandschaft nicht auskennen. Wofür sollte man Suhrkamp verlassen? Für die Erfüllung eines großen Traums. So etwas erfordert Mut. Rainer Weiss und Anya Schutzbach von weissbooks.w hatten diesen und haben es nicht bereut. Der ehemalige Programmgeschäftsführer und die ehemalige Marketingchefin von Suhrkamp stellten ihr Verlagskonzept erstmals auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2007 vor, Anfang 2008 gründeten sie weissbooks.w. Ihr Konzept fand schnell Anklang: weissbooks.w erhielt 2009 auf der Leipziger Buchmesse die Auszeichnung "Newcomer des Jahres" und im selben Jahr den Gründerpreis der Stadt Frankfurt.

Eine Frage der "Brand Communication"

Die Bücher des Verlages fallen auf - dank der puristischen Gestaltung des Schweizer Designers Fritz Gottschalk. Der Mann, der auch den Schweizer Pass gestaltet hat, setzte gerade bei den ersten fünf Büchern des Verlags Akzente: Die Buchcover bestachen durch eine karge, kraftvolle Typografie - schwarze Schrift auf weißem Grund, mehr nicht. Weissbooks.w setzte von Anfang an auf einen hohen optischen Wiedererkennungswert - und das mit Erfolg.

Das aktuelle Programm

Nicht nur optisch hat weissbooks.w einen guten Geschmack. Mehrere "Buchsaisons"  haben die Verleger nun schon erfolgreich bestritten, im Frühjahr 2010 bringen sie nicht nur den zweiten Roman des Clemens-Bretano-Preisträgers Daniel Zahno, "Rot wie die Nacht", heraus, sondern auch ein Sachbuch des in Frankreich geborenen Jean-Paul Pianta. In "Die Kunst, ein Floß zu steuern in stürmischen Zeiten" beschäftigt sich der international hoch angesehene Chiropraktiker mit der Balance des Lebens, vergleichbar mit einem Floß auf unruhiger See. Dazu kommt ein von der Autorin Arezu Weitholz selbst illustrierter Lyrikband im Moleskine-Format: "Mein lieber Fisch. 44 Fischgedichte" - inklusive Fisch-T-Shirts im dazugehörigen Design.

Noch viel vor

Und das sind nur einige der Titel, die weissbooks.w zu bieten hat. Die Verleger haben noch viel vor. Ihren privaten Geldgebern, die den Verlag unterstützen, haben sie zugesagt, dass sie spätestens nach drei Jahren schwarze Zahlen schreiben.
Es sieht gut aus bei weissbooks.w. 

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