Der Künstler Ilya Kabakov wurde vor allem mit seinen Installationen weltbekannt. Das Sprengel-Museum in Hannover zeigt in der ersten Ilya-Kabakov-Malereiretrospektive "Eine Rückkehr zur Malerei", was ihn außer Raumkatapulten, Himmelsschrift und Toilettenwohnungen noch sein ganzes Leben lang beschäftigt hat.
Vielleicht ist es eine Altherrenkrankheit, immerhin ist Kabakov mittlerweile fast 80, und kann auf eine mehr als 40-jährige Karriere als Künstler zurückblicken. Vielleicht behagt es ihm einfach mehr, in seinem Atelier zu sitzen und zu malen, anstatt quer durch die Welt zu jetten und anstrengende Mengen an Material zu Kunst zu verbauen.
Andererseits: Was im im Sprengel-Museum in Hannover in der Ausstellung „Eine Rückkehr zur Malerei“ hängt, ist nicht nur neueren Datums – ja, das meiste schon, das meiste ist zwischen 2008 und 2010 entstanden – aber immer wieder ist auch etwas aus den 1960ern, aus den 1970ern dabei. Kabakov wurde als Installationskünstler, etwa mit „Und du blickst hinauf und liest die Worte“, einer Himmelsschriftinstallation, oder seinem persönlichen Sputnik in den Kunstbetrieb „Der Mann, der von seinem Zimmer in den Kosmos flog“ weltberühmt. Aber währenddessen malte auch immer wieder. Das sind die Spuren, auf denen die Ausstellung „Eine Rückkehr zu Malerei“ wandelt: Eine kleine Werkscha dieser unbekannteren Seite Kabakovs.
Türen neben den Gemälden
Allerdings zeigt die Ausstellung nicht nur Gemälde. Sie ist immer wieder angereichert mit installativen Elementen: Da hängen Türen neben den Gemälden, die Serie „Flying“ entfaltet eher als Arrangement von Gemälden im Raum seine Wirkung: Auch im hohen Alter kommt Kabakov eben doch nicht ganz weg von der Installation. Der Unterschied liegt vielleicht nicht so sehr in dem Verfahren, eher in der Sichtweise: Kabakovs Installationen haben immer sehr raumgreifende Themen, sind immer eher auf das große soziopolitische Ganze gerichtet. Seine Gemälde sind intimer, persönlicher, blicken eher nach außen als nach innen. Sie beschäftigen sich nicht mit den Lebenswelten der Anderen, sie beschäftigen sich mit Kabakovs Lebenswelt – mit seinem Blick auf sich selbst, auf sowjetische Lebenswelten und ihre Spiegelung in der offiziellen Sowjetkunst, von der Kabakov nie ein Teil war.
Kontextlose Blütenknospen
Spannend wäre es bestimmt, diese beiden Seiten Kabakovs – die gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie die Ausstellung „Eine Rückkehr zur Malerei“ behauptet – miteinander zu vergleichen, die Installationen und Gemälde zeitlich parallel zu betrachten. Man bekäme so Einblick in die vielschichtige Geschichte eines Künstlerlebens der letzten 40 Jahren, seine persönliche Geschichte im historischen Kontext. Das allerdings kann und will die Ausstellung „Eine Rückkehr zur Malerei“ nicht leisten – was grundsätzlich eher schade ist, weil sie es verpasst, auf diese oder andere Art Kabakovs Werke in einen Zusammenhang zu setzen, in dem sie aufblühen könnten. So blühen die Knospen nicht auf.
Weitere Informationen
Die Ausstellung "Ilya Kabakov. Eine Rückkehr zur Malerei" ist noch bis zum 6. Mai im Sprengel-Museum Hannover zu sehen.
Die Website des Künsterpaares Ilya und Emilia Kabakov