Im Frühjahr 2011 erscheint die neue Snailhouse-CD »Sentimental Gentleman«. Grund genug für Globe-M, mit Sänger und Gitarrist Michael Feuerstack über Musik, Montreal und kalte kanadische Winter zu philosophieren.
Globe-M: Hallo Michael, wie geht es Dir und was machst Du im Moment?
Michael Feuerstack: Bei mir ist alles gut, danke. Ich mache mich gerade fertig für den Winterschlaf. Ich koche viel, schreibe neue Songs und nehme Demos bei mir zu Hause auf. Im Moment ist Snailhouse mein einziges aktives Projekt, so dass ich die Zeit nutze und neue Lieder und Ideen entwerfe.
Globe-M: Du warst 2010 zweimal in Deutschland. Einmal alleine und einmal mit zwei Musikern als komplette Band. Gab es Unterschiede zwischen diesen beiden Touren?
Michael Feuerstack: Ja, es waren zwei völlig unterschiedliche Touren. Aber es war toll, den Menschen beide Seiten der Band Snailhouse zu zeigen. Ich werde auch in Zukunft mit Musikern zusammenarbeiten, da immer eine magische Eigendynamik entsteht, wenn man mit anderen Musikern unterwegs ist. Aber auch alleine werde ich weiter auf Tour gehen. Konzerte die ich alleine gebe sind viel intimer, man kann improvisieren und seine eigenen Songs anders interpretieren. Das ist auch toll!
Globe-M: Du lebst in Montreal (Kanada). Erzähl uns etwas über das Leben und die Musikszene in der Stadt.
Michael Feuerstack: Montreal ist mein zu Hause. Die Stadt hat eine tolle Musikszene, was aber nicht der Grund dafür ist, warum ich hier lebe. Ich glaube, dass ich das, was ich hier tue, auch in jeder anderen Stadt tun könnte. Aber Montreal hat so eine starke Energie und es fühlt sich gut an, inmitten dieser Energie zu wohnen und seinen eigenen Weg zu finden. Jeder hat die Möglichkeit, anonym zu bleiben und gleichzeitig Teil einer Kleinstadt-Community zu sein. Das mag ich sehr.
Globe-M: Es gab in den vergangenen beiden Jahren einen medialen Hype um Montreal. Konntest Du als Snailhouse davon profitieren?
Michael Feuerstack: Sicherlich werden ein paar Menschen den Namen Snailhouse entdeckt haben, weil ich zur Szene in Montreal gehöre. Aber es ist sehr schwierig zu sagen, ob es wirklich einen Vorteil für mich gebracht hat, dass die Medien so viel über die Stadt geschrieben haben. Ich glaube, am meisten habe ich davon profitiert, dass ein paar Freunde von mir viel bekannter geworden sind. Und wenn sie nicht gerade auf Tour waren, haben sie ihre freie Zeit auch weiterhin mit mir verbracht... das macht mich sehr glücklich.
Globe-M: Du hast mit der Band Bell Orchester den »Juno«-Award gewonnen (vergleichbar mit dem deutschen Echo Anm. d. Red.) und trotzdem spielst Du in Europa vor einer Handvoll Menschen. Wie schaffst Du es, Dich nach 15 Jahren noch für solche Konzertreisen zu motivieren?
Michael Feuerstack: Ich mache Musik, das ist eigentlich alles, was ich tue. Und es lohnt sich immer mit anderen Musikern oder Bands wie Bell Orchester zu kooperieren. Ich schreibe eigentlich immer Songs und möchte diese auch mit anderen Menschen teilen. Und egal, ob Du vor 15 oder 15 000 Menschen spielst, Du musst das Publikum immer überzeugen. Es ist mehr eine Berufung als ein gewöhnlicher Beruf.
Globe-M: Zusammen mit Thomas Weber von Mi Amante Records hast Du 3 000 Promo-CDs von Deiner B-Seiten- und Raritäten Sammlung „Monumental Moments“ verschenkt, um Deine Herbst 2010-Tour zu bewerben. Hat das gut funktioniert?
Michael Feuerstack: Schwer zu sagen. Ich denke dieses Projekt war dahingehend erfolgreich, dass wir es geschafft haben, Menschen dazu zu bewegen, meine Musik zu hören. Die Idee war ja, etwas Tolles zu produzieren und es dann kostenlos anzubieten. Und wir glauben, dass das in gewisser Weise ein Statement war, das viele verstanden haben.
Globe-M: Erzähl uns etwas über Deinen Songwriting-Prozess. Wo siehst Du Deine Einflüsse? Ich könnte mir vorstellen, dass bei Dir als Kanadier die Natur eine große Rolle spielt.
Michael Feuerstack: Die größte Rolle, die die Natur für mich spielt ist, dass sie eine sehr kreative Zeit ermöglicht – den Winter! Hier in Kanada ist es im Winter sehr kalt und ungemütlich. Es ist die perfekte Zeit zu Hause zu bleiben, Musik zu machen, zu lesen und sich vom Stress des Jahres zu erholen. Man hat die Zeit, Dinge neu zu reflektieren. Das tut sehr gut.
Globe-M: Du wirst im Frühjahr 2011 Dein neues Album »Sentimental Gentleman« in Deutschland veröffentlichen. Was dürfen wir davon erwarten? Und was erwartest Du davon?
Michael Feuerstack: »Sentimental Gentleman« haben wir, wie immer, sehr schnell aufgenommen. Ich hatte vorher einige Musiker kennen gelernt, die auf den Live-Konzerten für mein letztes Album »Lies On The Prize« gespielt haben. Und diese Konzerte waren so toll, dass wir nun versucht haben dieses »Live-Feeling« auch auf CD zu transportieren. Es hat so viel Spass gemacht, so dass es nur vier Tage gedauert hat die Basis-Songs aufzunehmen. Diese Musiker sind ein großer Teil der Stimmung auf der »Sentimental Gentleman«. Zu Hause habe ich dann einige kleinere Änderungen an den Aufnahmen vorgenommen. Und im Ernst, wenn mir die Produktion einer neuen CD keinen Spass mehr machen würde, würde ich Snailhouse sofort begraben.
Globe-M: Du hast schon im Frühjahr 2010 auf Konzerten einige Songs von »Sentimental Gentleman« gespielt. Warum erscheint das Album erst jetzt? War es so schwer ein neues Label zu finden?
Michael Feuerstack: Mmh, ich habe in Deutschland bereits im Vorfeld mit Mi Amante Records zusammengearbeitet. Es war also eigentlich gar nicht schwer ein Label zu finden. Ich freue mich auch extrem über die Beziehung zu Mi Amante. Es war eher ein Problem, jemanden in Kanada zu finden. Aber auch dort habe ich jetzt ein gutes und motiviertes Label gefunden. Ich habe immer mit Freunden zusammengearbeitet. Manchmal braucht es aber etwas Zeit, bis die richtige Kombination gefunden ist. Jetzt kann ich es kaum erwarten, dass das Album erscheint.
Globe-M: Das Jahr 2010 neigt sich gerade dem Ende zu. Nenn uns zum Abschluss Deine fünf persönlichen musikalischen Highlights des Jahres 2010.
Michael Feuerstack: 1. Die Chance, mit meinen Musikern zusammen auf Tour zu gehen, war einfach super. Ich mag es, alleine aufzutreten, aber die Konzerte mit ihnen zusammen haben einfach sehr viel Spass gemacht.
2. Ich habe mein Studio zu Hause fertig gebaut und kann meine Songs zu Hause aufnehmen. Das wird einen großen Einfluss auf die Zukunft von Snailhouse haben.
3. »Measure« von der Band Field Music. Es ist einfach ein fantastisches Album einer grandiosen Band. Ich hatte die Möglichkeit, sie zweimal live zu sehen und fühl mich sehr glücklich damit.
4. Zu wissen, dass so viele tolle Menschen mich auf der ganzen Welt unterstützen, macht mich sehr sehr glücklich.
5. In diesem Jahr habe ich unglaublich viel Equipment leihen müssen. Ich lieh zum Beispiel Verstärker oder auch Gitarren für verschiedenste Konzerte. Ich mag es, zu sehen und zu hören, wie unterschiedliches Equipment meine Songs anders klingen lässt. Das war eine ziemlich coole Erfahrung und neu für mich.
Globe-M: Michael, wir danken für das Gespräch!
Weiterführende Links:
Offizielle Homepage der Band Snailhouse
Offizielle Homepage von Mi Amante Records
Foto: Wladislawa Werth