Dem Einsatz seiner Lehrer ist es zu verdanken, dass Li Cunxin (gespielt von Chi Cao) erst nach Peking und später in die USA reisen darf, um Ballett zu tanzen. Dort entdeckt er den Wert der Freiheit und verursacht 1981 einen Eklat vor der Weltöffentlichkeit, indem er die chinesische Regierung und den Kommunismus zurückweist.
Kulturrevolution und Talentscouts
In der Volksrepublik China Anfang der 1970er Jahre ist die chinesische Kulturrevolution unter Mao in vollem Gange und Talentsucher ziehen durch das Land, um die Stars von morgen ausfindig zu machen - eine Art Vorform des heutigen Castings à la DSDS. Auch in der Provinz Schandong, im Nordosten des kommunistischen Reiches, versuchen sie ihr Glück und besuchen eine in den Hügeln gelegene Dorfschule. Schon wollen die Scouts wieder erfolglos abrücken, da fasst sich die Lehrerin ein Herz und empfiehlt Li Cunxin.
Ein neues Leben
Warum die Wahl auf ihn fällt, bleibt ein Mysterium. Er darf jedenfalls zum "Recall" nach Qingdao, muss zeigen, wie biegsam er ist, besteht den Test und wird in Peking zum Balletttänzer ausgebildet. Nun beginnt ein neues Leben für den kleinen, talentierten Chinesen: Er muss von seiner Familie, die ihn liebevoll nur Nummer sechs nennt, Abschied nehmen und in die Hauptstadt ziehen. Dort wird er in Ballett, Gymnastik und Kommunismus unterrichtet, und schließlich, als Erwachsener, für ein kulturelles Stipendium in den USA ausgewählt.
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bietet einem kommunistisch erzogenen Bauernsohn jedoch jede Menge Verlockungen. Eine Frau, finanzielle Möglichkeiten, vor allem aber Freiheit und das Recht auf persönliche Entfaltung sind die Gründe, die Li Cunxin am Ende seines Stipendiums den Entschluss fassen lassen, nicht mehr zurückzukehren. Er heiratet seine Tanzpartnerin, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.
Chinesische Einwände
Die Chinesen, auf der anderen Seite, können das natürlich nicht einfach so hinnehmen, locken ihn in die Botschaft und halten ihn dort gegen seinen Willen fest. Nun entflammt ein Kräftemessen der Systeme um den jungen Tänzer. Letztendlich wird der Druck der Weltöffentlichkeit zu groß, Li Cunxin darf bleiben. Doch der Preis der Freiheit ist hoch: der Weg zurück zu Freunden und Familie bleibt ihm versperrt. Li plagen Ängste um das Wohlergehen der Eltern und Brüder, die Ehe des jungen Paares scheitert an ein paar dreckigen Töpfen und der Realität.
Ende gut...
Zum Schluß löst sich dann aber doch noch alles in Wohlgefallen auf. Li findet eine neue Ehefrau, das Einreiseverbot wird aufgehoben und es gibt sogar ein Wiedersehen mit den Eltern. Diese werden zu einer Ballettvorstellung eingeflogen, weinen Tränen der Freude und sind mit Sohn Nummer sechs wiedervereint. Der Kapitalismus triumphiert. Und auch im echten Leben siegt der Kapitalismus: Li Cunxin arbeitet heute als Senior Manager in der größten Börsenfirma Australiens.
Fazit
Regisseur Bruce Beresford zeichnet in diesem mitreißenden Biopic das Bild einer vermeintlich vergangenen Ära, die von ihrer Brisanz bis heute nichts eingebüßt hat: die Unterdrückungsmechanismen Chinas gegenüber seiner Gegner, wie Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und Frau Xia, stehen auch heute in der Kritik. Die Entscheidung, die Li Cunxin treffen muss, zwischen Drill und Leidenschaft, zwischVaterlandstreue und Lebensverwirklichung, vor allem aber zwischen Familie und Freiheit ist wahrlich keine einfache und der Zuschauer fühlt, nicht nur in den hervorragenden Ballettszenen, mit ihm.