Ob unter dem Label "Louvre Abu Dhabi" oder einem anderen zugkräftigen Namen – gebaut wird weit mehr als nur ein Museum für Klassische Kunst. Gleich vier der weltweit renommiertesten Architekten wurden beauftragt: Frank O. Gehry, Jean Nouvel, Tadao Ando und Zaha Hadid.
Globalisierung der Museumswelt
Internationale Kulturtouristen werden sich freuen. Auf der 27 Quadratkilometer großen künstlichen Insel Saadiyat „Insel des Glücks“ werden die größten Museen der Welt gebaut. Doch es wird noch dauern bis das Kunst-Mekka Realität wird. Erst 2012 sollen erste Attraktionen eröffnen, 2018 der gesamte Komplex fertig sein. Bis dahin wird die Insel mit 15 000 Einwohnern bewohnt sein. Kulturtouristen können sich dann in 15 Hotels einquartieren, Golf spielen oder die Mangrovenlandschaft im Süden genießen. Über die geplanten Museumsbauten gibt es eine Ausstellung des Entwicklungsunternehmens TDIC (Tourism Development & Investment Company) mit Modellen der Insel und ihrem Kulturdistrikt.
Wüsten-Louvre
Größtes Highlight ist das 24 000 Quadratmeter große Kunstmuseum mit 400 bis 500 Werken aus dem französischen Louvre - Bilder, Skulpturen, Porzellan, Möbel, Juwelen und Antiquitäten. 2000 Quadratmeter sind für Zeitausstellungen reserviert, 6000 für eine eigene Sammlung. Der Vertrag mit Paris beinhaltet, trotz prominentem Protest, auch die Leihgabe des Markennamens Louvre. Architekt Jean Nouvel plant eine Microcity - ein modernes Gewirr von Kuben und einer 180 Meter großen Kuppel direkt am Meer und knüpft damit an die arabische Bautradition an.
Guggenheim-Filiale
Der Kalifornier Frank O’Gehry plant ebenfalls in gigantischen Ausmaßen. Eine Filiale des Guggenheim Museums auf 30 000 Quadratmetern – größer als das Stammhaus in New York. Dazu werden Quader, Kegel, Prismen und Zylinder vernetzt und in spektakulärer Bauweise verwoben. Seine Aufsehen erregenden Pläne für einen Guggenheim-Neubau an der Südspitze Manhattans waren nach dem 11. September 2001 für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt worden. Jetzt schaffen es seine Computer generierten, abstrakten Formen bis an den Persischen Golf.
Der Konstuktivismus lebt
Nicht weniger aufsehenerregend: Das „Performing Arts Centre“ für Theater- und Konzertsäle der in London lebenden Iranerin Zaha Hadid. 62 Meter hoch und nirgends ein rechter Winkel. Schiffsbugartig schiebt sich der vierstöckige Bau dynamisch ins Meer hinein. Die Struktur ist mit einem Gitternetz riesiger, organisch geformter Fensterflächen überzogen und die weißen Zuschauerräume erinnern an die feinen Verästelungen im Inneren eines aufgesägten Knochens.
Vom Wind aufgeblähte Segel
Der japanische Minimalist Tadao Ando ist für das Maritime Museum verantwortlich. Er orientiert seine Gebäude an traditionellen Segelschiffen der Araber, den Dhaus. Als Minimalist vereint er in seiner kargen Architektursprache japanische Zen-Tradition mit modernistischem rohen Sichtbeton. Eingebettet in eine oasenartige Natur und unterirdisch angelegtem Aquarium, dürfte Andos zurückhaltende Architektur zu einem gefragten Ort der Ruhe werden.
Ebenfalls erbaulich: der Biennale-Park
Auch jüngere Architekten kommen zum Zug für 19 geplante kleinere Pavillons in Form eines Biennale-Parks. Hier sollen nach dem Vorbild in Venedig Kunstforen stattfinden. Durchzogen wird das zukünftige Pavillon-Gelände von einem Kanal im Zickzackkurs. Hemmungen, mit den traditionellen Kulturhauptstädten dieser Welt in Konkurrenz zu treten, kennt das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt jedenfalls nicht.
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