Sharon Ya`ari in Wien

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Die kulturelle Konnotierung ebenfalls. Nur ein Satz eines Interpreten der Photographien Sharon Ya`aris als Beispiel: „…the socially constructed character of the landscape”.

Es ist so traurig, es ist zum Heulen. WO IST NAHRUNG? Wo ist „Butter bei die Fische“?!

Ya`ari selbst über ihr “Werk”: “It´s about holding time, waiting time, gazing time. The images present a paused, frozen, almost fossilized situation.” Huh. Schöne Worte im Nachhinein. Gut, daß sie sie gefunden hat. – Einmal Durchatmen bitte. Ein Foto – nennen wir es doch einfach so: Foto – zeigt zwei Reiter in einer „klassisch komponierten Landschaft“ und weckt durchaus auch beim Berichterstatter Assoziationen mit Rittern, die im Kampf pausieren. Dann sieht man, daß diese Reiter Maschinengewehre umhängen haben, locker zugeknöpfte Uniformen tragen. Unwillkürlich fragt man sich, wo sie aufgenommen sein könnten, in welchem Krisengebiet der Welt. Aserbeidschan? Armenien? Syrien? Irak? Wir kommen der Sache schon näher. Im Hintergrund erscheint ein Wachtturm, der zu einem Gefängnis oder einer Mauer, die das Heilige Land durchteilt, gehören kann. Letzteres mag der Fall sein, denn Ya`ari ist Israelin. Trotz seiner bemühten Komponiertheit wirkt das Foto eher wie ein glücklicher Schnappschuß. Gregory Williams vom Artforum nennt das aber so: „Living in Israel, a country with a painfully acute sense of the mutual dependency of geography and national identity, Sharon Ya`ari is particularly aware of the socially constructed character of the landscape…” Soll jetzt der beklagenswerte und prekäre Zustand des Landes Israel Frau Ya`aris Zufallstreffer aufwerten? Überfälliger Einwurf des Berichterstatters: Hat man des desillusionierten Landschaftsplaners Thomas Sieverts Buch “Zwischenstadt” gelesen, kennt man das: Sieverts, der die Unabänderlichkeit verpfuschter Landschaft mit an malerische Dörfer herangeklatschten, an diesen Stellen gänzlich unerwartbaren Gewerbegebieten mit ihrer ganz eigenen „Ästhetik“ im schönsten Landschafts-Off Hintertupfingens so schnell umdeuten möchte, indem man einfach die eigenen, kulturell gewachsenen Ansprüche an Schönheit, die eigene Ästhetikperzeption (ja, so kann auch der Berichterstatter) verändern, anpassen und damit runterschrauben müsse. Diese Perzeptionen seien ja ohnehin nur im 19. Jahrhundert entstanden und klebten an damaligen ästhetischen Forderungen fest. Heute gebe es eben nun keine Dörfer und keine Städte mehr. Nur noch Zwischenstädte. Deren Schönheit gelte es zu entdecken und „aufzuschließen“. Was der Berichterstatter mit diesem kleinen, von der Verzweiflung über monothematische Eindimensionalität aufgeplusterter Schnappschüsse angetriebenen Exkurs sagen will: Jede Kulturlandschaft, sogar Teile der Sahara, und sei es die dort durch Menschen gemachte Erosion, sind „socially constructed“. Jeder Gartenzaun konstruiert den Garten in einer „sozialen“ = gesellschaftlich relevanten Weise, jedes Foto dieses Gartenzauns tut dies auch. Und dekonstruiert Sprechblasen wie von Mr. Williams im Artforum geäußert. Irgendwie hat Williams aber auch wieder recht, wenn er fortfährt: “By playing with the dictates of Arcadian tradition, Ya`ari `s images tread a fine line between reality and escape, offering up a kind of damaged utopia.” Ob`s an den leicht überbelichteten Schwarz-Weiß-Fotografien liegt?   Die Poesie eines viel zu hellen, toten Baumes bilden diese Phrasen nicht ab. Hier hat Ya`ari einen Glücksgriff getan. Unglücklicherweise zeigt sie denselben Baum noch einmal. Bei ohnehin so wenig ausgestellten Fotografien ist das wenig hilfreich.   Galerie Martin Janda, Wien A 1010 Eschenbachgasse 11 Di-Fr: 10-18.00 Sa. 11.00-15.00

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