Sushi-Haarreif, Turban und fremde Federn

Salon Hüte und Accessoires

Susanne Gäbel ist Inhaberin zweier Hutsalons in Berlin, wo die gelernte Modistin ihre eigenen Kreationen an den Mann und an die Frau bringt. Mit einem Hang zur Nostalgie und den 20er Jahren entwirft sie vom schlichten Modell bis hin zum Sushi-Haarreif eine Bandbreite an Haarschmuck, die ihresgleichen sucht. 

Globe-M: Wie sind Sie zur Hutmacherei gekommen? 

Susanne Gäbel: Ich musste meine Damenschneiderausbildung abbrechen und auf der Suche nach einem neuen Platz bin ich auch in ein Hutgeschäft gegangen. Dort habe ich 14 Tage später angefangen. Natürlich hatte ich auch schon immer eine Liebe zum Hut. 

Globe-M: Bilden Sie auch aus? Gibt es noch viele Hutmacher und junge Menschen, die sich dazu ausbilden lassen?

Susanne Gäbel: Ja, ich bilde aus und habe mich gerade für eine neue - meine siebte - Azubine entschieden. Ich habe unglaublich viele Bewerbungen bekommen, so viele dass es für mich schwer ist, sie alle zu bearbeiten und Absagen zu schreiben.

Globe-M: Was macht Ihr Label aus?

Susanne Gäbel: Mein Label macht, glaube ich, die Vielfalt aus und dass ich mich nicht selbst für die Ober-Designerin halte. Die Hüte entstehen mit den Kunden zusammen und individuell. Ganz oben steht bei mir die handwerkliche Verarbeitung.

Globe-M: 
Was ist Ihr Lieblingsteil aus der aktuellen Kollektion?

Susanne Gäbel: Ich habe gerade meine Winterkollektion 2012 fertiggestellt. Mein persönliches Lieblingsstück daraus ist ein Haarclip aus einem zweifarbigen Filzstreifen.

Globe-m: 
Wer ist Ihre typische Kundin? Gibt es die überhaupt? 

Susanne Gäbel: Meine Kundinnen sind alle sehr nett und umgänglich. Kaum Promis, sondern eher Menschen wie du und ich, die sich einfach mal aus der Masse heraus heben wollen. Es gehört natürlich an wenig Geld dazu, um sich eine Anfertigung leisten zu können. Die Menschen haben also entsprechende Berufe, Ärzte Anwälte usw. Für kleineres Geld habe ich auch eine Auswahl an schönen, praktischen Hüten einer Konfektionsfirma.

Globe-M: Sie führen auch einen Herrensalon. Was ist der Unterschied zwischen ihren männlichen und weiblichen Kunden in Sachen Ansprüche an einen Hut? 

Susanne Gäbel: Frauen gehen viel mehr ins Detail und die Herren sind einfach dankbar, dass es so ein Geschäft gibt, mit einer großen Auswahl an Marken und einer individuellen Anfertigung. Für die Herren ist auch der Service und die Pflege sehr wichtig.

Globe-M: Wie sieht Ihr Atelier aus? Nennen Sie drei Gegenstände, die Sie dort unbedingt brauchen! 

Susanne Gäbel: Im Atelier, welches ja fast in den Laden integriert ist, ist es oft sehr chaotisch. Es spiegelt die Vielfalt der Materialien und Aufträge wieder. Im Herrenladen herrscht noch Aufgeräumtheit, die ich auch versuchen möchte zu erhalten. Wichtig ist immer ein Spiegel. Denn nur wenn man die Hüte ständig selbst aufprobiert, wird man die richtigen Proportionen herausfinden. Zum verformen ist das Bügeleisen ein wichtiges Instrument. Und das allerwichtigste ist kein Gegenstand, sondern meine Hände. Denn vieles forme ich aus der Hand ohne Holzmodel, da ist man viel freier in der Gestaltung.

Globe-M: Wie entstehen Ihre Hüte?

Susanne Gäbel: Die Idee zu einer Kopfbedeckung entsteht bei mir oft über das Material. Ich finde ein Material welches förmlich nach einer bestimmten Machart schreit. Dann lege ich los. Bei Kundenaufträgen kommt die Kundin oft mit ihrem Outfit, gemeinsam suchen wir nach einem optimalen Stück in Material, Proportion und Farbe. Es folgt eine Anprobe mit einem halbfertigen Hut. Letzte Entscheidungen werden getroffen und dann wird der Hut fertig gestellt.

Globe-M: Denken Sie, dass es nochmal ein richtiges Comeback des Hutes geben wird? 

Susanne Gäbel: Leider ist es ja so, dass kaum jemand mehr aus der Menge herausstechen mag und deshalb hat der Hut meiner Meinung nach nicht so gute Chancen. Es gibt immer mal wieder einen Aufwind, aber dass der Mensch nicht ohne Kopfbedeckung auf die Straße geht, das wird es wohl nicht mehr geben. Da ist auch die Frisur eine harte Konkurrenz.

Globe-M: Vielen Dank für das Gespräch!

Vk-Preise: von 30,- bis 180,-€

Damensalon 
Bleibtreustraße 40 - Eingang Mommsenstraße,
10623 Berlin

Herrensalon 
Mommsenstr. 2, 10629 Berlin

Öffnungsszeiten (Damensalon und Herrensalon):
Mo-Fr 11:00-18:30 und Sa 11:00-15:00
sowie an den Adventssamstagen 11:00-18:00)

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