TEIGTASCHENRAVIOLISONG

HP Falkner, Foto:oro

Hans Peter Falkner und Markus Binder sind Attwenger, eine Minimalmusik aus Schlagzeug und verstärkter Diatonischer Harmonika. Als Zuzweitunterhalter mit österreichischem Gesang und volksmusikalischen Wurzeln gehören sie zu den versuchsfreudigen Musikern, die seit den 1990er Jahren nicht aufhören, uns aufhören zu lassen. Wir sprachen mit HP Falkner in München.

TEIGTASCHENRAVIOLISONG


globe-M:
Sie haben unter dem Namen 3 Falkner Volksmusik zusammen mit den Eltern gemacht. Wieviel davon steckt noch in Attwenger? Haben Sie sich auch von etwas verabschiedet?

HP Falkner: Wir haben uns von überhaupt nichts verabschiedet. Gar nichts. Das ist alles in uns drinnen, wir haben nur nebenbei ein anderes Ding gemacht.

globe-M: Was ist mit den Einflüssen aus dem Rest der Welt?

HP Falkner: Die Einflüsse waren immer schon da. Wir sind ja mit allen Musikrichtungen dieser Erde großgeworden, nur zu Hause wurde sozusagen auf traditionelle Art Volksmusik gespielt, aber auch eine gewisse Art von Schlager oder so etwas. So streng waren wir da nicht. Weil wir Radio gehabt haben, Fernsehen, waren wir ja mit der Welt verbunden, und Interesse haben wir natürlich gehabt an allem. Wir saugen alles auf, hören alles – immer schon. Das heisst aber nicht, dass ich alles machen muss.

globe-M: Die Stücke, die mit den 3 Falknern aufgenommen wurden, sind tanzorientierte Musik

HP Falkner: Volksmusik ist Tanzmusik. Bei uns ist das Tanzmusik. Dieses Viergesangmäßige das hat mich nie interessiert. Mich interessieren diese instrumentalen Stücke, wie schöne Polkas oder langsame Walzer, Zwiefache. – Die Taktverschiebungen, das sind interessante Sachen. Am schönsten sind auch Stücke, die einen Swing haben – mit Text. Davon gibt es in der Volksmusik genug, nur dieses fade Gesinge, mit dem haben wir nie kokettiert. Das war nicht unser Ding. Es muss fahren, die G'schicht, so wie in jeder Musik.

globe-M:
In den Anweisungen von Attwenger für die Konzertveranstalter steht "Keine Bestuhlung".

HP Falkner: Na ja, Bestuhlung erzeugt keine Extase, weil sie ja sitzen, die Leute. Sie sitzen und brauchen sehr lange, bis sie dann aufstehen. Mit Bestuhlung habe ich ein konzertantes Konzert. Das haben wir auch schon gemacht, wo man sehr viel Text hat, wo's zum Aufpassen geht, da nimmt man die Musik in der Lautstärke a bissl  zurück, dass der Text noch verständlicher wird.

globe-M: Ist es Unsinn, Tanzmusik auf CD aufzunehmen?

HP Falkner: Finde ich nicht. Ich hab viele CDs aufgenommen mit diversen Menschen, und ich finde Volksmusik muss man live aufnehmen. Das geht im Studio nicht, du bringst das nicht zusammen. Ich habe teilweise bei mir privat zu Hause aufgenommen, zu finden unter fischrecords.at. Da haben wir gesagt, setzt  euch in einen Raum, wo ihr euch wohlfühlt, dann habe ich 30-40 Leute eingeladen, hab gesagt: Live-Konzert, los gehts – und das waren Spitzenaufnahmen! Es muss ein Guss sein, das muss in sich stimmen, dann kannst du's machen. Dann springen die Funken – sonst is' fad.

globe-M: Im März habt ihr eine Tournee in Amerika. Zum ersten Mal?

HP Falkner: War'n wir eh schon.

globe-M: Wie reagieren dort die Leute?

HP Falkner: Ja mei, nicht anders wie da. Sie verstehen halt den Text nicht, aber sie hupfen genauso umananda. Das war in Sibirien nicht anders, in Mexico, in Pakistan, in Simbabwe, in Vietnam, in Malaysia, in Thailand, in Bali – das war überall das selbe. Die verstehen alle den Text nicht – ist ja wurscht.
In Mexico haben sie statt "wama liaba", Tamaleras verstanden, das heißt soviel wie "Ich forme eine Teigtasche", wie Ravioli, dann haben sie geglaubt, wir singen einen Teigtaschenraviolisong, und haben alle mitgesungen und waren happy. Lustig war's!

globe-M: Wie kommen in traditionelle Stücke wie "urfahrana samma" Strophen über das Arbeitsamt oder die Atomkraft hinein?

HP Falkner:
Das Lied selbst gibt's schon lange. Das mit dem Arbeitslosengeld ist irgendwann mal dazugekommen.  Das hab' ich überliefert bekommen vom arbeitslosen Sigi. Es gibt immer so diverse Nachtgespenster in jeder Stadt, und der arbeitslose Sigi war damals der Überbringer dieser Zeilen. Was einem gefällt nimmt man, was einem nicht gefällt nimmt man nicht.

globe-M:
Wie ist es Ihnen heute auf der Bühne gegangen?

HP Falkner: Na ja, ich hab' vorhin zu einer Freundin, die Schneiderin ist, gesagt man muss sich das so vorstellen: Du hast eine Nähmaschine, die zehn Jahre lang alles mitmacht, und von heute auf morgen hast du eine neue. So ist es mir heute gegangen. Ich habe heute zum ersten Mal eine nagelneue Ziehharmonika in Betrieb gehabt. Beim Spielen habe ich gemerkt, dass mit der Elektronik etwas nicht funktioniert, dass ein paar Halbtöne beim Bass nicht stimmen. Das ist aber alles nur intern, ob das Publikum das gemerkt hat, weiß ich nicht. Einmal ist's ausgefallen, aber gleich wieder gegangen. Für mich war es zäh, weil das ganze Instrument noch nicht richtig spielbar ist, die ganzen Leder vom Balg sind noch steif. Das braucht jetzt noch zwei, drei Mal, und dann wird's rund, dann hast du das Instrument wieder zehn Jahre. Das letzte habe ich zehn Jahre gehabt, dann sind's fertig. Heute war Neustart, dadurch war es für mich sehr anstrengend.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Roland Opschondek, Foto:oro

Attwenger spielt heute, 11.2. in Murnau, Westtorhalle

Weitere Informationen


Falkner, Hans Peter
, geboren am 13. 3. 1967 in Linz (Oberösterreich): Musiker, Produzent...
Schon mit zehn Jahren als Akkordeonist regelmäßige Auftritte mit den Eltern (Trio Falkner), 1989-91 Mitglied der Gruppe "Urfahraner Durchbruch", 1991 Gründung der Gruppen "Attwenger" und "die goas" mit M. Binder. Attwenger gelten als eine der innovativsten Bands Österreichs und verschmelzen Volksmusik mit Punkrock, Hip-Hop und Drum & Bass; Zusammenarbeit unter anderem mit E. Jandl. Falkner ist seit 1995 Betreiber des Labels Fischrecords für traditionelle österreichische Volksmusik. Quelle: http://www.attwenger.at/

Wer sich jetzt für mexikanische Tamale interessiert: hier

 

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