Träume von lauen Sommernächten

Was die Münchner Philharmoniker unter Dennis Russell Davies in der Philharmonie am Gasteig darboten, wirkt bei Schnittke verblüffend vertraut und gleichzeitig unbekannt, bei Rachmaninow virtuos überwältigend und bei Mendelssohn flockig und duftig zart.

Gekonnte Anspielungen

Alfred Schnittkes "(K)ein Sommernachtstraum für großes Orchester" aus dem Jahr 1985 begann erstaunlich schlicht. Doch die sanfte C-Dur-Kantilene im Stile von Mozart raute schnell auf zu schrägem Varúse-Imitat und teils grotesken Collagen und Stilkopien. Schnittkes ironischer Kommentar dazu – alle Zitate seien „nicht gestohlen, sondern (gekonnt) gefälscht“. Der amerikanische Dirigent Dennis Russell Davies hatte sichtlich Freude am frivolen Spiel mit den Stilen und forderte die Philharmoniker zu ziemlich sportiven Tempi auf.

Junges Klavierwunder aus Frankreich

Gleich anschließend ging es weiter mit den Anspielungen, denn es wurde die Rhapsodie op. 43 von Sergej Rachmaninow über ein Thema von Paganini geboten. Dazu kam die erst 22-jährige Pianistin Lise de la Salle auf die Bühne – der unangefochtene Star des Abends. Galt bereits Paganinis Vorlage als unspielbare Raserei eines Teufelsgeigers, so stand Rachmaninows Bearbeitung dem in Virtuosität und halsbrecherischen Läufen in nichts nach. Die junge Pianistin jedoch schien damit keine Mühe zu haben. Sie führte im Gegenteil nicht nur ihr virtuoses Talent vor, sondern auch die Gabe zu poetischer Ruhe und sanftem Pianissimo, was besonders auch in der zarten Zugabe von Liszt zum Ausdruck kam.

Das Mendelssohnsche Original

Nach der Pause kam dann der originale "Sommernachtstraums" op. 61 von Felix Mendelssohn Bartholdy zur Aufführung. Auszüge daraus, wie die Ouvertüre op. 21 oder der triumphale Hochzeitsmarsch, kennt fast jeder. Es ging auch sofort ein Ruck durch das Publikum, wie immer, wenn vertraute Melodien auftauchen. Russell Davies schaffte es allerdings, dem klassischen Evergreen immer wieder neue Farben zu entlocken – beispielsweise beim polternden Rüpeltanz oder bei den ruhigen Hornbewegungen im Notturno. Für flockige Elfenklänge waren dann die Frauen des Philharmonischen Chores mit den Solistinnen Sigrid Plundrich und Maria Helgath zuständig. Anhaltender Beifall bestätigte, dass das wohl gut gelungen war.

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