Ironie ist eine Kunst. Der Songwriter Noam Weinstein beherrscht dieses Spiel sehr gut und macht sich dennoch Gedanken über das richtige Maß in Sachen Humor. Mitte Mai 2011 startet der New Yorker zu seiner ersten Deutschlandtour.
Zwei Jahre nachdem sein Album "Sixteen Skies" hierzulande erschien und einige sehr gute Reviews einheimsen konnte, hat das Warten nach Konzerten nun ein Ende. Es gelang dem Songwriter eine erste Deutschlandtour zu organisieren. So kann man Noam Weinstein im Mai 2011 endlich live seine teilweise bitter ironischen, oftmals entwaffnend offenen Geschichten vertonen hören.
Globe-M: Du startest in wenigen Tagen zu deiner ersten Deutschlandtour. Wie sind deine Erwartungen?
Noam Weinstein: Ich bin sehr aufgeregt und freue mich, meine Musik mit neuen Menschen in einem neuen Land teilen zu können.
Globe-M: Du arbeitest nicht mit einer Bookingagentur zusammen, sondern hast die Tour selber organisiert. Wie funktioniert so etwas?
Noam Weinstein: Zum Glück hatte ich viel Hilfe von einigen Freunden. Außerdem hat es sich herausgestellt, dass in vielen Städten, wie zum Beispiel Hamburg, die Club- und Barbesitzer sehr enthusiastisch darauf reagiert haben, einem Solokünstler eine Chance zu geben.
Globe-M: 2009 hat das deutsche Independent Label Skycap eine Zusammenstellung Deiner Songs veröffentlicht. Hat das geholfen eine Art Fanbasis in Deutschland aufzubauen?
Noam Weinstein: Definitiv! Zum Beispiel haben einige der Menschen, die nun beim Organisieren der Tour helfen, meine Musik zum ersten Mal durch die Veröffentlichung von Skycap wahrgenommen. Es gab außerdem eine sehr dankbare Rezension in der deutschen Ausgabe des "Rolling Stone" und das mag die Ohren einiger Clubs geöffnet haben.
Globe-M: Deine Musik und vor allem die Texte scheinen von Songwritern wie dem jungen Elvis Costello oder Randy Newman beeinflusst zu sein. Haben Dich die beiden inspiriert und wer sonst zählt zu Deinen Einflüssen?
Noam Weinstein: Du hast absolut Recht, Ich liebe die beiden. Einige meiner anderen Helden sind Leonard Cohen, Bob Dylan, Jimi Hendrix und John Prine.
Globe-M: Viele Deiner Texte sind ironisch oder humorvoll. Hattest du jemals Angst, dass die Hörer Deinen Humor vielleicht nicht verstehen?
Noam Weinstein: Auf jeden Fall! Vermutlich ist es ein größeres Risikio den Humor zu verfehlen, als das Herz nicht zu treffen, aber es sind beides Risiken, die ich bereit bin, einzugehen.
Globe-M: Machst Du Dir Gedanken darüber, wie "lustig" ein Künstler sein darf, um noch ernst genommen zu werden?
Noam Weinstein: Ja, ich denke es gab Zeiten, wo ich es unterschätzt habe, wie schwer es für die Zuhörer sein kann, Aufrichtigkeit und Humor vom gleichen Schreiber zu aktzeptieren. Allerdings haben viele meiner Lieblingssongwriter einen Weg gefunden, mit diesem Problem umzugehen and ich hoffe wohl, etwas ähnliches zu tun.
Globe-M: Du lebst seit einiger Zeit in New York und bist nicht zuletzt wegen der Musik dort hingezogen. Siehst Du Dich dort künstlerisch als Teil einer bestimmten Szene?
Noam Weinstein: Ich bin sehr glücklich, Teil einer kleinen Community von Künstlern zu sein, von denen sich viele erst durch eine Songschreiber-Gruppe kennengelernt haben, die vom großen Jack Hardy, einem legendären Folkmusiker ausgerichtet wurde. Traurigerweise hat er in diesem Jahr diese Welt verlassen.
Globe-M: Ist es in einer so großen, lebendigen Stadt wie New York einfacher oder schwerer etwas als Künstler auf die Beine zu stellen, verglichen zu einer Kleinstadt? Oder anders gefragt, was ist das Gute daran, in einer Stadt zu leben, die niemals schläft?
Noam Weinstein: Ich denke, es ist in vieler Art dem Internet recht ähnlich: Es gibt mehr Möglichkeiten, für Lärm zu sorgen, aber es ist schwerer jeden individuellen, einzelen Ton zu hören.
Globe-M: Wie sieht der perfekte Tag in New York aus?
Noam Weinstein: Ich werde Dir Bescheid sagen, sobald ich es erlebt habe!
Tourdaten:
16.5. Hamburg - Mobile Blues Club
17.5. Hamburg - Sweet Home Cafe
18.5. Münster - Amp
19.5. Dortmund - Ständige Vertretung
20.5. Wuppertal - Bürgerbahnhof Vohwinkel
21.5. Düsseldorf - Petit Papillon
22.5. Köln - Blue Shell
23.5. Cochem - Murphy's
25.5. Koblenz - Circus Maximus
26.5.Göttingen - Nörgelbuf
27.5. Berlin - Joe's Bar
28.5. Berlin - Ufer Café
29.5. Bremen - Schwankhalle
weitere Informationen: